Dezember 09, 2006

Viele letzte Male und vielleicht ein kleiner Neuanfang

Der folgende Post wird hoffentlich als Entschuldigung und Erklaerung herhalten, fuer alle die, die sich fragen, was mit mir passiert ist oder warum ich nichts mehr von mir hoeren lasse. Meine letzten zwei-drei Wochen waren ziemlich erlebnisreich und ein bisschen stressig. Ab heute ist naemlich hier das erste Semester zu Ende und am Montag sind meine drei Abschlussarbeiten faellig. Hinzu kommt aber noch, dass momentan staendig irgendwas los ist, weil es eben auf das Ende des Semesters zu geht und ja auch bald Weihnachten ist.
Aber erstmal zum Akademischen: Es ist ein gewoehnungsbeduerftig zwei Hausarbeiten von mindestens 20-30 Seiten parallel zum laufenden Semester zu schreiben, aber das Gute ist, dass man hier schon mehrmals im Semester Drafts und Bibliographien abgeben muss, so dass ich nicht total in Panik ausgebrochen bin, als ich festgestellt habe, dass ich nur noch zwei Wochen habe. Die zwei Papers sind fertig fuer Communication Research und Intro to American Studies und ich muss jetzt nur noch eine final story (heute und morgen) fuer meinen Journalismuskurs schreiben. Ich mache ein Feature ueber die internationalen Studenten, die Weihnachten hier verbringen--sollte also auch ein bisschen Spass machen.
Ansonsten reihen sich gerade Weihnachtsfeiern, Semester-Abschlussparties, Abendessen, und Abschiedsparties fuer die ganzen Europaer, die jetzt nach einem Semester wieder nach hause fahren, aneinander. Ich habe mir gedacht, dass ich einfach mal die Bilder fuer sich sprechen lasse (nur so als kleiner Überblick: 1. Political Science Christmas Party im Ragazzi Art Cafe, Salsa Club in Indianapolis mit Spanish Conversation Club, Weihnalchtslieder singen mit Andreas und Antje, Eve in der Küche beim Vorbereiten eines ihrer fantastischen französischen Dinner, International Brunch im tutto bene).Ich will mich aber ueber den "Stress" ueberhaupt nicht beschweren und freue mich, dass ich ab Montag erstmal drei Wochen frei habe und im Unterschied zu den deutschen Semesterferien ueberhaupt nichts fuer die Uni machen muss. Ich werde uni-unverwandte Buecher lesen, endlich mal mein Haus sauber machen, zum Friseur gehen und mich stundenlang mit Freunden zum Kaffee verabreden. Obwohl momentan ueberall Ende und Weihnachten gefeiert wird, bin ich froh, noch ein halbes Jahr vor mir zu haben. Klar, hab ich manchmal Heimweh, aber die letzten Wochen haben mir das gute Gefuehl gegeben, dass es fuer mich hier jetzt erst richtig anfaengt...

Dezember 08, 2006

Argentinien und der Mate

Woran denkt man, wenn man an Argentinien denkt. Vielleicht an Fussball, oder auch an Rindfleisch, oder vielleicht sogar an langhaarige und baertige Maenner. Das ist auch auf jeden Fall alles richtig, alles das gehoert zu Argentinien wie die Bratwurst nach Deutschland.
Doch es gibt eine Sache , die weitaus repraesentativer ist. Und das ist der Mate. Wenn man durch die Stadt laeuft, sieht man ueberall Leute herumstehen oder -sitzen, die den runden Mate herumreichen und ein wenig entspannen. Mate trinken heisst in ersten Linie gar nichts machen und entspannen. Und das koennen die Gaucho hervorragend, entspannen...Hier kommt eine kleine Einfuehrung im Entspannen auf argentinisch.
Um Mate trinken zu koennen braucht man natuerlich einen Mate. Dieses Trinkgefaess ist entweder aus Holz, aus Metall oder aus einem Kuerbis geschnitzt. Ich habe einen schoenen Mate aus einem Kuerbis. Darueberhinaus braucht man eine Bombilla (hier sagt man dazu Bombiescha, normalerweise waere das aber Bombieja). Dieser silberne Trinkhalm hat am unteren Ende ein Sieb und oben ein Mundstueck. Der Matetee selber heisst Yerba Mate (wieder hier: Scherba, sonst: Jerba). Yerba bedeutet aber nichts anderes als Kraut. Als weitere wichtige Utensilien muessen noch der Teekessel und die Thermoskanne genannt werden.
Man stellt die Bombilla in den Mate, und fuellt diesen ungefaehr bis zu zwei Drittel mit Yerba.
Den Wasserkocher stellt man natuerlich auf den Herd, um das Wasser zu erhitzen. Wichtig ist dabei, dass es nicht kochen darf. Wenn der Wasserkocher leiser zu pfeifen anfaengt, kann man das Wasser eigentlich schon benutzen. Entweder man schuettet nun das erwaermte Wasser in eine Thermoskanne, oder man schenkt sich einfach aus dem Kessel nach. Jetzt wird der Mate mit dem Wasser gefuellt. Normalerweise wird Mate in einer Runde konsumiert.
Man wird gefragt, ob man Mate trinken will und lehnt dieses eigentlich auch niemals ab. Normalerweise setzt man sich und der Besitzer des Mates holt seine Thermoskanne heraus und beginnt auszuschenken. Der erste Mate ist fuer ihn, da er bitterer ist, als die folgenden Aufguesse. Dann wird der Mate die runde herumgereicht, kehrt dabei aber immer wieder zum Besitzer zurueck, der dann jeweils wieder Wasser nachschenkt.
Fuer kurze Zeit lebte in meiner Pension ein Peruaner. Er arbeitete als Arzt in einem Kinderkrankenhaus und war auf Weiterbildung in Argentinien. wie viele Mediziner hatte er einen sehr trockenen und bissigen Humor. Er fand die Mentalitaet der Argentinier leider nicht sehr sympathisch, im Gegenteil, er schimpfte eigentlich ueber fast alles was argentinisch ist. Die grosse Klappe der Leute, der starke Dialekt und auch den Mate. Er sagte zu mir, dass er denke, dass die Argentinier die faulsten Menschen auf der Welt seien. Fuer sie gaebe es nur Fussball und Mate, sonst wuerden sie nichts machen. Und die Yerba Mate selbst, sei doch auch nichts anderes als Unkraut, das an irgendeiner Strassenecke wachsen wuerde. Er hat es auch nicht all zu lange hier ausgehalten und ist nach 2 Wochen nach Brasilien gefahren, um dort zu arbeiten.
Aber ganz so schlimm wie er sagte, sind die Leute hier nicht, aber das mit dem Fussball und dem Mate stimmt.
Fuer mehr Informationen ueber Mate: http://de.wikipedia.org/wiki/Mate

November 26, 2006

Drei Monate

Im Vorfeld hatte ich mir drei Monate gegeben, um mich an das Leben in Argentinien anzupassen. Ich wollte innerhalb dieser Zeit eine gewisse Routine entwickeln, Leute kennengelernt haben, damit ich die Zeit geniessen kann und vor allem die Sprache soweit gelernt haben, dass ich problemlos mit allen sprechen kann.
Inzwischen sind drei Monate vorbei und die Routine ist schon lange eingekehrt. Ich treffe mich regelmaessig mit den anderen Deutschen und habe auch schon genuegend Argentinier kennengelernt mit denen ich gerne Zeit verbringe. Meine Uni habe ich eigentlich ganz gut absolviert und mein Semester fast abgeschlossen. Ich habe auch alles bestanden was ich besucht habe und bin darueber ziemlich froh. Inzwischen spreche ich auch schon gut Spanisch und habe kaum noch Probleme mit der Verstaendigung.
Das Leben hier unterscheidet sich nicht grundsaetzlich von dem in Deutschland. Es laeuft zwar alles ein wenig entspannter ab, was mich aber nicht stoert. Ich werde oft gefragt, warum ich aus der Ersten Welt und die Dritte gekommen bin und es ist nicht einfach eine Antwort darauf zu finden, die die Leute nachvollziehen koennen. Es gibt hier viele Probleme und die Argentinier haben auch eine sehr kritische Sicht auf ihr Land. Es gibt sehr viel Armut. Aber Armut bedeutet hier nicht Harz IV oder Sozialhilfe. Armut bedeutet hier, kleine Kinder die auf der Strasse schlafen und durch die Kneipen ziehen, um ein wenig Geld zu erbetteln. Es gibt sehr viele Leute, die gar nichts haben, nicht einmal was zu essen. Ich weiss, dass es das auch in Deutschland gibt, aber bei Weitem nicht in dem Ausmass wie hier. Eine weiteres Problem ist die Gewalt. Leider sind die Argentiner auesserst heissbluetig und haben einen grossen Hang zur Gewalt. So ist natuerlich das Fussballstadion fuer viele Leute ein Ventil, um ihren Aerger in Form von Randale los zu werden. Es vergeht kein Spieltag der Primera A an dem es nicht irgendwelche Auseinandersetzungen gibt. Ich weiss auch, dass es Randale in Deutschland gibt, aber wenn einmal ein Linienrichter von einem Bierbecher getroffen wird, kann man das nicht damit vergleichen, dass die Polizei teilweise auf die Fans mit Gummigeschossen losgehen muss, damit man diese sich nicht gegenseitig umbringen.Dennoch muss ich sagen, dass ich mich sehr wohl fuehle und die Entscheidung hierher zu kommen noch nicht eine Sekunde bereut habe.
(Unglaublich, ich habe noch niemals violette Baueme gesehen, momentan ist die ganze Stadt voll davon.)
"Warum Argentinien?", ich versuche das meistens so zu beantworten: "Ich habe schon immer ein Trikot von Argentinien gehabt, und natuerlich ist der Fussball der Hauptgrund. Ich weiss, dass Argentien das einzige weisse Land in Suedamerika ist. Und ich weiss, dass Argentinien nicht wirklich zur dritten Welt gehoert. Es gibt gute Unis und viel Kultur. Ich wollte es einfach kennenlernen, weil ich weiss, dass das hier nicht Lateiamerika ist, aber eben auch nicht Europa." Meistens sind sie mit der Antwort auch zufrieden, denn obwohl sie sehr kritisch sind, sind sie auch riesige Patrioten.
Einmal bin in einem Geschaeft gefragt worden, wo ich denn herkommen wuerde. Nachdem ich gesagt habe, "aus Deutschland", antwortete der alte Mann: "Weisst du eigentlich, dass wir euch fuer die intelligentesten Menschen auf der Welt halten?" Ich muss Anja recht geben, dass ich, seitdem ich hier bin, immer stolzer auf meine Heimat werde. Wenn wir in der Uni Texte lesen und ein Buch "Nietzsche, Marx und Kant" heisst, bin ich schon stolz. Leider musste ich einmal den Professor berichtigen, als er sagte, dass Freud auch ein Deutscher war. Er haette aber auf Deutsch verfasst, antwortete er. Ich habe mir verkniffen zu sagen: "Gut, dann ist Borges jetzt auch ein Spanier fuer mich."
(Das ist der Eingang zu meiner Arbeit)
Inzwischen habe ich auch einen Job gefunden. Es gibt eine Zeitung in Buenos Aires fuer die deutschsprachige Gemeinde der Stadt. "Das Argentinische Tageblatt" wurde vor ueber hundert Jahren von Schweizer Aussiedlern gegruendet und ist seitdem im Besitz der Familie Alemann. Die Familie Alemann ist sehr beruehmt in Argentinien, wie ich im Nachhinein erfahren habe. Die beiden geschaeftfuehrenden Brueder waren Minister waehrend der Militaerdiktatur gewesen. Die Schwester wiederum ist eine Direktorin eines Theaters und der Vater war ein bekannter Komponist in Argentinien gewesen. Ich bin die Sportredaktionion. Meine Aufgabe besteht darin, DPA- Meldungen zu lesen, sie zusammen zu kuerzen, oder selbst etwas ueber den Sport in Deutschland zu schreiben. Ich fahre zwei bis drei Mal in der Woche nach Buenos Aires und kann so ein wenig mehr Zeit in der Hauptstadt verbringen. Die Redaktion befindet sich genau auf der riesigen Avenida 9 de Julio.
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Und der Obelisk ist nur fuenf Blocks von ihr entfernt. Die Stadt gefaellt mir sehr gut. Sie ist riesig gross und natuerlich voller Menschen. Sie ist schnell, laut aber auch ziemlich stilvoll. Fuer mich als Berliner gibt es nicht allzu viele Alternativen zu meiner Heimatstadt, aber Buenos Aires kann definitiv mithalten.
Dass schon in einem Monat Weinachten ist kann ich mir momentan nur schwer vorstellen, bei 30 Grad im Schatten. Aber ich freue mich schon darauf, Anja in einem Monat im kalten Michigan zu besuchen. Wenn ich dann wiederkomme, habe ich noch mehr als ein halbes Jahr vor mir und ich hoffe, dass ich die Zeit genauso geniessen werde, wie ich bisher getan habe.

November 20, 2006

St. Louis - Symbol für Verbindung, Realität für aktuelle Probleme

Der St. Louis "Arch" steht seit 1965 in und wurde von einem finnischen Architekten names Eero Saarinen entwurfen. Der Bogen symbolisiert die Verbindung zwischen Osten und Westen der USA während der Westexpansion. Er symbolisiert aber in gewisser Weise auch die Verbindung verschiedener Hautfarben, da er in Mitte der 60er Civil Rights Movements unter Beteiligung von gleichberechtigten schwarzen Arbeitern gebaut wurde. Denkmäler symbolisieren aber meist mindestens genauso viel wie sie vergessen lassen - man denke nur mal an die Freiheitsstatue - und somit sieht man zwar im zugehörigen Museum einige Dokumentationen über die Geschichte der Indianer und ihre Vertreibung aus dem Westen, aber wenig über St. Louis momentane Situation. Die Stadt ist in diesem Jahr kurz nach dem Sieg in der Baseball World Series zur gefährlichsten in den USA gewählt worden (http://www.cnn.com/2006/US/10/30/city.crime.ap/index.html) und eines der Hauptprobleme ist 40 Jahre nach der Einweihung des Bogens die Integration der schwarzen und ethnischen Bevölkerung. Es war schon eine merkwürdige Erfahrung mal aus der Downtown herauszufahren und auf einmal weit und breit die einzige Weiße zu sein.
Davon abgesehen war St. Louis aber auch an sich eine sehr interessante Stadt, zumindest interessant genug, dass ich bei schönerem Wetter nochmal hinfahren möchte. Die ganze Innenstadt hat eine sehr interessante Architektur. Die meisten Gebäude stammen aus der Hochzeit der Industrialisierung um die Jahrhundertwende. Viel Stahl, viel Glas, und ein bisschen Jugendstil. Momentan wird versucht, die großen, leeren Industriegebäude als Lofts zu renovieren. Die ganze Stadt wirkt noch etwas unfertig und aufgerissen. Das macht sie aber nicht weniger interessant und reflektiert in gewisser Weise auch ihre Geschichte und ihre Probleme.

November 16, 2006

Deutsch und die amerikanische Version davon

Anja in Chicago- Matthias in Monte

Nachdem mich mein Kommilitone Nacho (eigentlich Ignacio) seit über einen Monat gefragt hatte, wann ich denn nun endlich einmal in sein Dorf kommen würde, um dort ein Wochenende zu verbringen, hatte ich mir einen Termin rausgesucht und bin mit ihm nach Monte de San Miguel gefahren. Monte liegt ungefähr Hundert Kilometer von La Plata entfernt in der Provinz Buenos Aires. Auf der Busfahrt haben wir unzählige Kühe und Pferde passiert, die auf der weiten und grünen Pampa weideten. Argentinien bedeutet in erster Linie unberührte Natur, so weit das Auge reicht. Man muss sich vorstellen, dass in Argentinien nur etwa halb so viele Menschen leben wie in Deutschland, das Land aber fast 10 mal groß ist.
In Monte angekommen bin ich erstmal der gesamten Familie vorgestellt worden, die alle gleichzeitig in der Pizzeria des großen Bruders Juan gearbeitet haben.


Die Mutter und die ältere Schwester von Nacho sind eigentlich Erzieherinnen, müssen aber immer mithelfen, damit der Laden läuft. Dem Papa gehörte das Geschäft einmal selbst und nun arbeitet er für seinen ältesten Sohn. Bei den beiden Frauen hatte ich auch gleich ein Stein im Brett, als ich erzählt habe, dass meine Mutter auch eine Erzieherin sei.
Nacho streifte sich nach seiner Ankunft gleich die Schürze über, um Pizzas und Schnitzel für ganz Monte zu zubereiten. Ich wollte nicht nur herumsitzen und das mir angebotene Bier trinken. Also holte ich mir auch eine Schürze und begann damit Käse und Gemüse zu schneiden. Pause durfte ich erst einmal machen, als ich mir beim Tomaten schneiden den halben Finger abgehackt habe. So musste ich warten bis mein Stumpen nicht mehr blutete, damit ich das Essen nicht versauen würde.
Die Familie Rey hat sich wahrscheinlich auch gedacht, dass da einer aus Deutschland kommt, der keine Ahnung hat und nicht einmal Gemüse schneiden kann. Nachy hat mich dann aber verteidigt, da ich schon einmal für ihn gekocht hatte, wusste er, dass ich zumindest ein wenig davon verstehen würde. Nachdem die Familie Rey alle Montenser versorgt hatten, sind Nacho, seine Freundin Augustina und ich in eine Bar gegangen, wo wir dann ein paar Bier getrunken haben, und danach mit dem Auto des Bruders an die Lagune gefahren sind. (Die Leute fahren in Monte auch besoffen Auto, aber dadurch dass sie nur mit ungefähr 10 Km/h durch die Gegend fahren passiert dort nur selten was. Und wenn doch einmal was passieren sollte, kennt der Polizist mit Sicherheit die Leute und findet die passende Strafe.)
Das Dorf Monte liegt komplett an einem See, und die Aussicht und die Stille dieser Lagune sind sehr beeindruckend- für ein Wochenende zumindest.
Wir haben dann nur im Auto gesessen, Musik gehört, Bier getrunken und uns den Sternenhimmel angeschaut.
Am nächsten Tag musste Nachy wieder arbeiten ich habe mich erstmal ausgeschlafen. Der eigentliche Grund für meine Reise nach Monte war eigentlich eine Fiesta eines Freundes von Nacho. Dieser hatte sein Studium beendet und das war Grund genug, ungefähr 150 Leute einzuladen und ein wenig zu feiern.

Nachy und Juan haben mich um 2 abgeholt, damit wir zusammen zu der Party gehen konnten. Dort angekommen wurde ich erstmal allen 150 Leuten vorgestellt. In Argentinien küssen sich die Leute, egal ob Männchen oder Weibchen, zur Begrüßung, so dass ich erstmal reichlich Küsschen verteilen musste bevor ich frühstücken konnte.


Zum Frühstück gab es dann das weitaus beste Asado das ich jemals gegessen habe. Beim Asado wird so ungefähr eine halbe Kuh an eine Glut gestellt und so gegrillt. Das dauert dann mehrere Stunden und so zu bereitet, schmeckt das Rindfleisch auch wirklich nicht, wie man das aus Argentinischen Steakhäusern kennt. Dazu gab es dann Bier, Wein oder selber gemachten Daiquiri. Im Hintergrund spielte eine Band vier Stunden lang Cumbia. Während der Party sind alle Mädchen erstmal samt Klamotten in den Pool geschmissen worden, was natürlich für breites Grinsen bei allen männlichen Partygästen sorgte. Das ganze Treiben dauerte dann bis spät in die Nacht hinein.

Am nächsten Tag hat der Papa von Nacho fuer uns alle Gnocchi gemacht, die wirklich fantastisch waren. Wir haben uns dann noch eine Hütte angeschaut, in der angeblich der argentinische „Volksheld“ Roca einmal gelebt haben sollte (http://de.wikipedia.org/wiki/Julio_Roca). Einige Montenser behaupten Roca sei niemals in Monte gewesen, andere hingegen denken, dass Monte für Roca so etwas wie seine Wochenendresidenz gewesen sei. Der General Roca hatte in seinen glorreichen Feldzügen gegen die schwer bewaffneten und überaus gefährlichen Indianer in Südamerika gekämpft (in der heutigen Zeit spricht man in diesem Zusammenhang auch gerne von subversiven Personen.) Nachdem er die Eingeborenen allesamt ausgerottet hatte, wurde er zum Helden erklärt.

Bevor ich mich dann in den Bus gesetzt habe, sind Nacho und ich noch einmal die Lagune gefahren um dort endlich einmal ein wenig entspannen zu können, nachdem ich das gesamte Wochenende nur Stress hatte, dort haben wir dann gesessen und nichts gemacht, außer Mate (Tee) zu trinken.
Nach meinem Wochenende steht Eines fest: Wenn die nächste Fiesta in Monte ansteht, setzt sich der Aléman wieder in den Bus, um vor Ort sein zu können.

November 15, 2006

Mehr Chicago Bilder


Wicker Parc Viertel
Blick aus Leilas Appartment

Theater in der Southside

Leilas Wohnung

koreanische Bar

November 14, 2006

Just a City kind of Girl

Regen, Blitze und 2 Stunden Verspätung wegen Stau erwarteten mich Freitagabend als ich um 8 Uhr endlich in Chicago angekommen. Aber mich konnte an diesem Abend nichts mehr klein kriegen, denn nachdem ich die wunderschöne Skyline und die Lichter der Stadt aus meinem Busfenster sehen konnte, fing mein Herz an zu schlagen. Ich bin dann direkt von der Union Station in ein Taxi gesprungen und zu Leila, die ich (für die, die es nicht wissen) noch aus High School Zeiten kenne, auf Arbeit zu fahren. Nach 2 Gläsern Weiswein und Sushi war sie dann auch fertig mit ihrer Schicht im Blue Water Grill und der Abend konnte beginnen...Freitagabend endete mehr oder wenig als Samstagmorgen um 5 Uhr bei Leilas Freund Justin auf der Couch nach 2 Flaschen Rotwein in seiner Küche, mediteranen Essen und Coctails, in der Bar, in der er arbeitet, und einer kostenlosen Backstage-Erfahrungen bei einem Robert Randolph Konzert.

Samstag war dann etwas entspannter. Leila musste arbeiten und so hab ich die Freizeit genutzt um die Stadt zu erkunden. Gegen 8 Uhr wollte ich Leila dann von ihrer Arbeit abholen, aber leider musste ich die nächsten 3 Stunden an der Bar sitzen. Zum Glück kann man in Chicago in manchen Bars rauchen und die netten Barjungs haben mein Sektglas ohne zu fragen und ohne zu bongen aufgefüllt. Als Leila dann endlich fertig war, waren wir beide so müde, dass wir denn eigentlichen Plan tanzen zu gehen, aufgegeben haben. Anstattdessen waren wir bei einem Italiener essen und danach downtown in 2 Juppiebars (nicht so mein Ding).

Koreanisches Omelet, Lychee-Mimosas und mindestens 3 Tassen Kaffee begleiteten dann den Sonntagmittag, an dem Leila und ich beschlossen hatten Wicker Parc, das Chicagoer Kreativviertel zu erkunden und das ganze mit einem ausführlichen Brunch zu beginnen.

Wicker Parc ist, wie erwähnt, das Künstlerviertel in Chicago und wahrscheinlich momentan das Viertel, das kulturell am meisten wächst. Es gibt eine Menge independent-Modeläden, Galerien, Musik-und Buchläden und Cafés. Die Leute sind meist eine Mischung aus Bohemian und 80s Punk und alles in allem hat mich Einiges dort sehr an den Prenzlauer Berg oder Friedrichshain in Berlin erinnert.

Sonntagabend sind wir dann zu einem Theaterstück gegangen, denn Leilas Mitbewohnerin ist Regisseurin für Theaterstücke (nennt man das dann so-Direktorin?). Das Theater war in einem etwas "ärmeren" Teil der Stadt, was man in Chicago an flickernden blauen Lichtern über Sicherheitskameras erkennt, aber trotzdem war es total süß und alternativ. Es gab Wein mit Spendenprinzip und bei dem Stück hab ich fast geweint...fast!

Das schöne mit Leila ist, dass man nie weiß, wo man endet, aber man kann sicher sein, das es Spaß macht. Nach dem Stück haben wir zum Beispiel krampfhaft versucht ein Taxi aufzutreiben, weil es schon ganz schön spät war. Nach 10 Minuten frieren, haben wir uns dann in diesen Waschsalon zurück gezogen und den Süßigkeitenautomaten geplündert. Glücklicherweise hat ein Taxifahrer, der gerade seine Wäsche getrocknet hatte, mitbekommen, wie wir rumgealbert haben, dass wir dort nicht mehr wegkommen und uns dann nach hause gefahren. Was ich also mit dem ganzen Zeilen Text vor dieser hier sagen wollte, falls es nicht angekommen ist, ist, dass ich ein wunderbares Wochenende hatte, dass ich hoffentlich bald wiederholen kann.

Oktober 28, 2006

Wie es mindestens zweimal USA gebraucht hat...

um mich Deutsch zu machen...

Bei Vorbereitungsworkshops für Auslandsaufenthalte wird einem ständig gesagt, dass ein Auslandsstudium nicht nur hilft die fremde Kultur kennen zu lernen, sondern auch die eigene besser zu verstehen. Nachdem ich jedoch bei solchen Workshops auch gelernt habe, wie man sich die Beine rasiert und warum man grüne Milch von Außerirdischen nicht trinken muss, habe ich diese Information wahrscheinlich unter "Nicken und Lächeln" abgehakt. Es braucht also tatsächlich die eigene Erfahrung, um sich wieder bewusst zu werden, was man eigentlich schon weiß: Ich bin Deutsche und Europäerin und stolz darauf!

Mein erstes Jahr in der amerikanischen Kleinstadt High School hat mich für die USA begeistert. Das zivile Engagement und der Unternehmergeist, die sympathische Formlosigkeit von zwischenmenschlichen Beziehungen und das große Herz der manchmal etwas einfachen Leute in Beaverton sind nur ein paar der Gründe, warum ich seit dem nicht mehr von diesem Land weggekommen bin. Ein Teil der Faszination kommt sicher auch davon, dass ich in meinem Austauschjahr und mit Hilfe meiner Gastfamilie ein bisschen mehr erwachsen geworden bin

Diesmal ist es ein bisschen anders. Die Begeisterung und Faszination ist immer noch da (um nicht zu sagen, ich liebe diese Uni-da weiß man echt wofür die hier bezahlen!), aber nach drei Jahren in Berlin und mit mehr Bewusstsein für die Dinge um mich herum (mein politisches Bewusstsein war nicht besonders ausgeprägt mit 16 um nicht zu sagen fast gar nicht vorhanden), sehe ich die USA und meine Heimat selbst mit neuen Augen. Es ist zum Beispiel echt merkwürdig, wie ich mit allen Europäern hier sofort eine Verbindung finde, selbst mit Leuten, mit denen ich in Europa nichts zu tun hätte. Auch die Amerikaner mit denen ich zu tun habe, sind meistens Leute, die entweder im Ausland (meist Europa) gelebt haben oder sich sehr für Europa interessieren.

Außerdem vermisse ich Aldi (den es hier so gar gibt, aber natürlich mit anderen Produkten-ich hab mich so gefreut 25 Cent für meinen Wagen zu bezahlen und in der Schlange zu stehen und danach auch noch meinen Einkauf selbst einpacken zu dürfen), öffentliche Verkehrsmittel und Stromrechnung unter 100 Dollar pro Monat. Mir fehlen meine drei Mülleimer für Plaste, Papier und biologischen Abfall. Und ich kann und will mich nicht daran gewöhnen, dass "Let's go to the movies next Friday." nur als ein Vorschlag unter anderen Optionen gesehen wird, während ich mir meinen Freitagabend frei halte und am Ende dann Wiederholungen von "Scrubs" bis um 2 schaue. Ich bin stolz auf unser öffentlich-rechtliches Rundfunksystem und darauf, dass man in Europa so viele Sprachen lernt.

Damit ich jetzt nicht gleich Emails über meine stereotype Darstellung bekomme, möchte ich zu meiner Verteidigung hinzufügen, dass ich in Deutschland nicht gerade ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein hatte. Das höchste der Gefühle war, dass ich zugeben musste, dass Berlin schon eine sehr schöne Stadt ist, aber eben weil Berlin und Deutschland zwei Paar Schuhe sind. Um mein neues Bewusstsein zu feiern, habe ich mich deshalb entschieden, dem Wort "stereotyp" eine völlig neue Ebene zu geben. Aber seht selbst...

Oktober 23, 2006

El Clásico

Endlich habe ich es geschafft. Endlich war ich zum ersten Mal bei einem argentinischen Fussballspiel. Es hatte ja nun auch lange genug gedauert.

Leider ist es aus zwei Gruenden nicht ganz so einfach hier zum Fussball zu gehen. Zum einen faengt das schon einmal beim Kartenkaufen an. Die Eintrittskarten gibt es hier nur an den Stadien zu kaufen. Wenn dann auch noch ein grosses Derby (Clásico) ansteht, muss man mit ewig-langen Wartezeiten rechnen. Im Falle des Superclásicos zwischen Boca und River kann man froh sein, wenn man nach 14 oder mehr Stunden Wartezeit auch wirklich die Tickets in den Haenden haelt. Dort sind naemlich noch zusaetzlich Massenschlaegereien und Taschendiebstaehle einzuplanen.
Der zweite Grund ist, dass es einfach auch sehr gefaehrlich sein kann allein zum Fussball zu gehen, die Hooligans heissen hier Barrabravas und haben eine unglaubliche Macht. In den bisher absolvierten 8 Spieltagen sind schon 4 Partien abgebrochen oder abgesagt worden. Die Partie zwischen Boca und Gimnasia de La Plata ist zum Beispiel beim Stand von 1:0 abgebrochen worden, weil der Praesident von La Plata die Schiedsrichter so massiv bedroht hatte, dass diese daraufhin ihre Sicherheit nicht mehr als gewaehrleistet ansahen. Auch an diesem Wochenende wurde ein Clásico zwischen Boca und Racing abgesagt, weil die „Doce“ (die Zwölf- welch passender Name fuer den gewaltaetigen Anhang der jeweiligen Mannschaften) von Boca sich in Avellaneda angekuendigt hatten und die Polizei sich ausser Stande sah, Herr der Situation zu werden.
Mein Kommilitone Puci, (sprich Pussy, ist aber bloss eine harmlose Abkuerzung seines Nachnamens „Puccitelli“) der ein bekennder Anhaenger der Estudiantes de La Plata ist, (Ein sogenannter Pincha. Der Klub wurde von Medizinstudenten im Jahre 1905 gegruendet. Da diese auch Experimente mit Maeusen gemacht haben, hiessen sie seit je her „Pincharratas“ oder nur „Pinchas“, was so viel wie Pieker heisst.) hatte mich gefragt, ob ich gerne mit ihm zum Clásico zwischen den beiden Platenser Mannschaften gehen moechte. Ich wollte schon immer gerne zu den Estudiantes gehen, weil dort Juan Sebástian Verón seit diesem Jahr wieder bei seinem Heimatverein spielt. Nachdem wir am Donnerstag zusammen auf der Sportanlage der Fakultaet eine Stunde lang hin- und her gerannt waren, sind wir zusammen zum alten Stadion der Pinchas gegangen um zu schauen, ob wir fuer mich eine Eintrittskarte kaufen koennen. Die Schlange der Leute war inzwischen schon so lang, dass die Leute eine halbe Runde um das Stadion herum anstanden. Also stellten wir uns auch an. Puci ist Vereinsmitglied und hatte seine Karte schon. Nachdem wir innerhalb einer halben Stunde ganze 2 Meter vorangekommen waren, haben wir das Unternehmen abgebrochen, weil wir nur noch eine Stunde Zeit hatten, um puenktlich zum Unterricht zu kommen. Somit hatte ich eigentlich nicht mehr damit gerechnet, dass ich noch zum Spiel gehen wuerde. Puci sagte aber, dass noch eine Moeglichkeit bestuende. Er wollte ein paar seiner Freunde fragen, die auch Mitglieder sind, ob sie eventuell nicht zum Spiel gehen wuerden und ich somit ihre Karte benutzen koenne. Als ich dann schon in der Vorlesung sass, kam der Puci mit reichlich Verspaetung und hielt aber dabei aber die Eintrittskarte in seiner Hand. Ich weiss nicht, wer sich in diesem Moment mehr gefreut hatte, ich, weil ich nun endlich zum Fussball durfte oder Puci, weil er allen anderen erzahlen konnte, dass der „Alemán“ nun auch ein Pincha ist.
Wir haben uns dann am Sonntag um 11 Uhr bei ihm zu Hause getroffen. Danach sind wir dann ganz ruhig zu seinen Pinchafreunden gefahren, um dort ein wenig zu essen und uns auf das Spiel einzustimmen. Zwei seiner Kumpels waren schon am fruehen Morgen auf Lobos (Woelfe) von Gimnasia getroffen. Kurzerhand wurden die unterschiedlichen Ansichten ueber den Platenser Fussball auf argentinische Art geklaert. Wie die ganze Geschichte genau ausgegangen ist, weiss ich nicht. Die beiden Pinchas waren zwar ein wenig verbeult, aber gluecklich.(Auf dem Foto steht der Puci ganz limks und seine beiden Kumpel direkt neben ihn) Wir haben dann ein paar Bier getrunken und sind zum Stadion gelaufen. Auf dem Weg sind wir auf immer mehr Pinchas gestossen und die Stimmung wurde immer besser. Atemberaubend war dann der Moment, als die beiden Mannschaften das Stadion betraten. Eine Million kleine Papierschnipsel und Luftballons in Blau- oder Rot-Weiss flogen da durch die Luft, so dass das Spielfeld erst einmal abgesaugt werden musste.
Ich brauchte dann auch nicht lange auf den ersten Torjubel warten, nach nur 5 Minuten stand es schon 1:0 fuer die Estudiantes und ich befand mich ungefaehr zehn Stufen weiter unterhalb meines eigentlichen Platzes. Gefallen bin ich aber nicht wirklich, da die Dynamik der Meute alles auffaengt- man findet halt immer einen Arm, an den man sich klammern kann. Knapp 10 Minuten spaeter hatte ich dann auch schon die naechste Moeglichkeit den Torjubel zu ueben. Die erste Halbzeit endete 3:0 und meine neuen Pinchafreunde waren allesamt gluecklich.
Die freundliche Feuerwehr sorgte innerhalb der Pause fuer eine aeusserst angenehme Abkuehlung, indem sie die Anhaenger beider Mannschaften eine Viertelstunde lang mit kaltem Wasser abspritze.
Beim Jubel des vierten, fuenften und sechsten Tores hatte ich inzwischen gelernt, meinen angestammten Platz im Rahmen des Moeglichen beizubehalten. Als dann auch noch das siebente und letzte Tor fiel, war allen klar, dass sie heute einen historischen Sieg gesehen haben. Noch niemals hatten die Estudiantes ein Derby so hoch fuer sich entscheiden koennen und überhaupt erst einmal in seiner hundertjaehrigen Geschichte hoeher gewinnen koennen. Nachdem wir alle gluecklich und erschoepft waren (denn Fussball bedeutet hier 90 Minuten singen und springen, waehrend bei uns eher geschrien und geklatscht wird) sind wir noch einmal in die Stadt gefahren, um an der Siegesfeier am Plaza San Martín teilzunehmen. Dort wurde kurzerhand die Strasse gesperrt und die ganze Nacht weitergesungen und getanzt. Puci bedankte sich bei mir (fuer ihn hatte ich auch einen gehoerigenAnteil an dem historischen Sieg gehabt) und ich habe ihn noch zum Busbahnhof begleitet, wo er dann voellig gluecklich nach Hause in sein Dorf gefahren ist. Schliesslich fand das Spiel am Muttertag statt und seine Mutter hatte lange genug auf ihren Pincha warten muessen.

Oktober 15, 2006

Eine Woche im Leben von...mir (Anja)!

In dem ersten Foto seht ihr den Aufenthaltsraum in der IU Memorial Union, dem repräsentativen Hauptgebäude der Uni (Kongressräume, Hotel, usw.) An einem normalen Tag wäre der Raum voll mit lesenden oder schlafenden Studenten, aber ich hab das Foto an einem Sonntag gemacht. Ich verbringe viel Zeit meiner Woche damit in Räumen wie diesem zu lesen. Ich habe nur 3 Kurse, das sind hier 9 Stunden pro Woche, aber die Leserationen sind teilweise für deutsche Verhältnisse unglaublich. Für meine PhD-Kurs in American Studies lesen wir pro Woche 300 bis 500 Seiten.
In dem zweiten Foto seht ihr den Arbeitsraum des Union Board, die studentische Organisation, die sich um das studentische Leben auf dem Campus kümmert. Ich bin in der Gruppe, die sich um die Künste kümmert, Sprecher einlädt, Ausstellung veranstaltet und mache dafür die PR. Außerdem ist meine Gruppe für das Kunstmagazin "Canvas" verantwortlich, das dieses Jahr sein 10. Jahr Bestehen feiert und wir planen gerade an einer Geburtstagsausgabe. Jeden Sonntag treffen wir uns und sitzen auf der roten Couch, um mit Hilfe von Cookies neue Ideen zu besprechen.
Die School of Journalism ist in diesem Semester mehr oder weniger mein akademisches Zuhause, da ich zwei meiner drei Kurse hier belege und diese auf jeweils 2 Tage aufgeteilt sind, das heißt ich bin hier 4 mal die Woche. Das Journalismusinstitut hier hat auch einen ziemlich guten Ruf und, wie für Amerika üblich, kümmert man sich hier gut um die Studenten. Sprecher wie Christopher Hitchens werden eingeladen und man kann hier fast jedes technische Gerät ausleihen, was man für gute Berichterstattung braucht. Ich bin vor allem ziemlich stolz auf meinen Kurs bei Prof. David Weaver, der, für diejenigen, die ihn nicht kennen, für die einzige amerikaweite Journalismusstudie "The American Journalist" verantwortlich ist, und damit eine Vorbildrolle für ähnliche Studien weltweit inne hat. Es war ziemlich witzig, als ich im Büro für Graduate Students war, um meine Kurse zusammen zu stellen, und gefragt habe: "Is it really THE Professor Weaver?" und die Sekretärin mich nur ausgelacht hat, weil sie schon seit über 10 Jahren mit ihm zusammen arbeitet.
Das nächste Foto zeigt die 7. Straße. Auf der rechten Seite ist die Union und hinter mir das Journalismusinstitut. Auf der linken Seite befindet sich ein Teil des Sportkomplexes, in dem ich einmal pro Woche squaschen gehe und einmal pro Woche einen Rückengymnastikkurs mache.
Zur Jordan Avenue muss ich auch mehrmals wöchentlich, da sich nicht nur die Main Library, sondern auch das International Center hier befindet. Jeden Samstag helfe ich dort für eine Stunde anderen internationalen Studenten (meisten Asiaten oder Südamerikaner) mit englischer Konversation. Außerdem lasse ich mir dort selbst einmal pro Woche im Spanisch Conversation Club helfen. Ab und zu finden dort auch Filmvorführungen, Konzerte und ähnliche Veranstaltungen für uns Internationale statt.

Mehr oder weniger waren das die Hauptpunkte meiner Woche. Seit letzten Donnerstag bin ich auch einmal wöchentlich auf dem Eis, um meine Schlittschuhlauf-Skills aufzupolieren. Mal schauen was daraus noch wird.

Andres' Ausstand

In unserer lustigen Wohngemeinschaft hat sich in letzter Zeit einiges getan. Zunaechsteinmal ist Andres leider ausgezogen. Er wohnt jetzt mit seinem Vater und seinem Cousin in Punta Lara, das ist eine kleine Stadt zwischen dem Rio und La Plata. Da Andres ja Koch ist, bzw. es lernt zu kochen, hatte ich ihn schon einmal im Vorfeld gebeten, mir zu zeigen, wie man Empenadas kochen wuerde. Seinen Ausstand haben wir dann zum Anlass genommen, fuer die WG Empenadas zu zubereiten. Gekocht haben dann aber nicht nur wir beide, sondern fast alle, die in diesem Moment zu Hause gewesen waren. Ich habe davon natuerlich auch ein paar Fotos gemacht und kann somit einmal die Gelegenheit nutzen, ein paar mehr Leute vorzustellen.




Auf dem Foto steht im Vordergrund der Marcello (Marce). Er ist 38 Jahre alt, hat einen Sohn, ist geschieden und arbeitet als Automechaniker. Frueher war er auch einmal Koch gewesen, deswegen hat er auch fuer uns den Teig gemacht (wie man sehen kann). Zunaechst hat er aus Wasser, Mehl und Salz einen resigen Klumpen Teig geknetet, und danach immer kleine Stuecke herausgenommen und diese dann plattgewalzt .
In dem grossen Topf befindet sich die Fuellung. In unserem Falle war das Hackfleisch, Zwiebeln, Moehren, hartgekochte und kleingehackte Eier und zerkleinerte Oliven. Die Fuellungen sind hier ausserst vielfaeltig. Die Hackfleischfuellung ist dabei aber der Klassiker.
Andres packt dort immer ein wenig von der Fuellung auf den Teigtapa, der dann von Flaco oder Gustavo (el Negro) zusammengefaltet wird. Fertig sieht das ganze dann so aus, wie es uns hier der Flaco sehr eindrucksvoll demonstriert.

Anschliessend muessen die kleinen Teigtaschen dann noch 20 Minuten in den Ofen.
Insgesamt haben wir ungefaehr 80 Stueck gemacht. Nachdem (fast) alle zu hause waren, haben wir sie dann auch alle aufgegessen. Da es sich ja um den Ausstand fuer Andres (Costa) handelte, haben wir sogar ein wenig Wein getrunken-...heimlich, da es nicht erlaubt ist, in der Pension alkoholische Getraenke zu konsumieren. Also haben wir den Weisswein getarnt, und zwar mit Orangensaft. Der Trick ist eigentlich von Marcello, der trinkt jeden Abend seinen Wein als Orangensaft getarnt. Er sagt, er duerfe dass, er sei ja schliesslich auch der Aelteste...


Hier ist nocheinmal zusehen, wie perfekt die Fliessbandarbeit der Empenadaproduktion funktioniert. Ganz links steht hier der Diego und ganz rechts der Luis (Lucho). Und in der Mitte spinnt der Flaco rum.



Da ich jetzt schon einmal beim Leute vorstellen bin, werde ich auch gleich mal die deutschen Maedchen vorstellen. Ganz links steht die Sandra. Sie kommt aus Ulm und studiert in Halle Interkulturelle Europa- und Amerikastudien(IKEAS- klingt witzig, heisst aber wirklich so.) Neben ihr steht der Alejandro (Ale), der ist auch ein Mitglied unseres Stammtisches. Er kommt aus Patagonien, also aus dem Sueden und studiert Administrative Ingenieurswissenschaften (Ich glaube, das ist so was wie bei uns der Wirschaftsingenieur- was das wiederum ist weiss ich aber nicht). Das Foto ist schon ein wenig aelter, inzwischen sollte die Umarmung zwischen den beiden etwas fester geworden sein...Neben Ale steht die Kati. Die Kati kommt aus Hamburg, heisst eigentlich Katharina und studiert auch IKEAS. Und ganz links, steht die Susanna. Sie studiert in Trier Germanistik und Romanistik. Susanna kommt aber eigentlich aus Stralsund. Sie verdreht hier allen Maennern (Argentiniern natuerlich) den Kopf. Ganz einfach, weil es fast keine blonden Frauen hier gibt,somit ist sie hier schon eine ganz schoene Exotin. Dann fehlt bloss noch die Maren. Von ihr habe ich leider noch kein Foto.( Sie war an dem Tag krank gewesen, als wir nach dem Stammtisch noch zu Santi nach Hause gegangen sind.) Sie kommt wiederum aus Koeln und studiert mit den anderen beiden zusammen in Halle.


Auf dem letzten Foto kann man zwei gutaussehende Argentinier sehen, die sich nach dem Re-Copasieg, demonstrativ vor der Bocaflagge zu einem Foto haben hinreissen lassen. (Der baertige von den beiden, ist der Santiago (Santi))