Februar 26, 2007

Ersatz - beziehungsweise Zusatzfreu(n)de

In der Medienbranche gibt es das Sommerloch, in der Anja-und -Matthias-Blogbranche gibt es das Semester(ferien)loch. Ich hab momentan so viel zu tun mit Uni, Praktikum und Alltag, dass ich euch von nichts Außergewöhnlichem berichten kann. Matthias hat Ferien und entspannt und bräunt sich, so dass es auch bei ihm nicht viel Neues gibt (obwohl ich weiß, dass er an einem Beitrag arbeitet...pssstt...).

Deswegen dachte ich mir ich nutze die Gelegenheit, euch einige meiner lieben Ersatzfreunde vorzustellen, damit ihr wisst, dass ihr hier würdig vertreten werdet. Im letzten Semester ist es mit den Freundschaften etwas langsam angelaufen, gerade weil die informelle Spontanität der Amis nicht ganz so mein Fall ist. Wie ihr euch vielleicht erinnert, war ich dann hauptsächlich mit den anderen "Europäern" unterwegs. Nur leider sind die all nur für ein halbes Jahr hier gewesen und somit hatte ich etwas Sorgen, dass die "Suche" wieder von vorn los geht. Nachdem ich hier aber anscheinend doch ein bisschen zu hause bin, hat sich das Problem von alleine erledigt und ich kann mich nicht über einsame Samstagabende vorm TV beschweren (es sei denn ich will es nicht anders).

Vom letzten Semester übrig geblieben sind Katherine (siehe Beitrag zu Smoothie Night im September) und Kirsten (rechts auf dem Foto). Mit Kirsten treffe ich mich regelmäßig zum Kaffee im Soma und dann quatschen wir einfach mal so für ein oder zwei Stunden. Sie geht hoffentlich im Sommer in die Provence, um dort Englisch zu unterrichten.

Im letzten Semester habe ich auch schon ab und zu mal was mit Shanna und Shravan gemacht, doch da Shravan jetzt beim Praktikum mein neuer Arbeitskollege ist, sehen wir uns einfach viel häufiger. Die beiden laden mich immer zu interessanten Veranstaltungen wie zur Neujahrsfeier im tibetanischen Kloster, zum unitarischem Gottesdienst oder indischem Essen ein. Da Shannas Familie auch in Michigan lebt, sind wir schon ein paar Mal zusammen gefahren und konnten uns besser kennen lernen, was aufgrund des begrenzten Zeitraums zu den größten Freundschaftproblemen gehört.

Shanna studiert Political Science (PolScie) und das Department ist bekannt dafür sehr integrativ und aktiv zu sein, so dass wir (die Deutschen) eigentlich bei jeder Party mit eingeladen sind. So habe ich dadurch unter anderem Rebekah, eine andere Freundin (Foto mit neuem Freund Andreas) und James kennen gelernt. Mit Rebekah kann man so richtig Mädchensachen machen: Filme gucken, Eisessen, Coctails trinken. Mit James (Foto links) mache ich erst neuerdings ab und zu mal was. Er ist mitte vierzig und hat schon eine zehn-jährige Tochter, aber er hat immer viel zu erzählen, weil wir beide Kunst- und Literaturfans sind und uns gemeinsam Veranstaltungen anschauen. Es ist außerdem spannend Beziehungs-und Lebensfragen von so unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.

A propos Kunst, mein Kurs in bei der Fine Art hat mir Zugang zu einem weiteren Freundeskreis von Künstlern und Kunstgeschichtlern verschafft. Kate (rechts außen) hat mich nach einem unserer Seminare angesprochen und seit dem essen wir gemeinsam Mittag und gehen freitags immer zu den Austellungseröffnungen. Durch sie habe ich dann die ganzen anderen Grad-Students kennen gelernt und so auch endlich meinen weiblichen Freundeskreis vergrößert, was Freundschaftsprolem Nummer 2 erleichtert.

Zu diesem gehört auch Jennifer (hier mit ihrem ecuadorianischen Verlobten Marcello). Jen macht ein Praktikum im International Center, aber wir sind auch zusammen im Spanisch Conversation Club und beim Tutoring. Wir sind uns sehr ähnlich, was manchmal schon fast gruselig ist, aber sie ist definitiv eine Freundin mit der man lachen und weinen kann.

Wenn ich über Freunde schreibe, kann ich natürlich auch meinen Nachbarn Jim nicht vergessen. Ohne ihn wäre ich hier manchmal ganz schön aufgeschmissen. Er hilft mir einfach immer, egal mit was. Wenn ich Langeweile habe, dann gehe ich einfach rüber und schau mit ihm, Sandy (seinem britischen Mitbewohner), Katze Molly und Hund Casey fern. Unsere Freundschaft ist absolut alltäglich, fast jeden Abend fahren wir zum Beispiel gemeinsam oder zu dritt vom Campus nach hause und so ist immer jemand da, dem man von seinem Tag erzählen kann.

Auf dem ersten Foto oben links seht ihr ein paar der anderen Deutschen die hier sind (Lisa, Sue und Vera) und ein paar andere Bekannte, wie Amanda, die ich erst vor ein paar Wochen kennen gelernt habe. Wir "Germans" treffen uns ab und zu mal zum Kaffee, Bier oder zum Feiern. Es ist echt merkwürdig, wie man sich nach einer Weile so verbunden fühlt, mit Leuten, mit denen man wenig gemeinsam hat. Das Foto ist von meinem Valentinsdinner und zeigt aber auch, dass an diesem Abend genauso viele neue wie alte Bekannte da waren. Das Schöne ist das ich mittlerweile ständig neue nette Leute kennenlernen, aber wie das so ist, passiert das ja immer dann, wenn man nicht mehr damit rechnet.

Februar 02, 2007

2/3 Winterblues

Ein Jahr älter, ein Jahr mehr im Kalender, und draußen ist die Temperaturgrenze von ein Grad Celsius längst unterschritten. Die Euphorie der guten Vorsätze hat nachgelassen und das Semester richtig angefangen. Da wünscht man sich doch wie ein Bär in den Winterschlaf, was in English übrigens hibernation heißt, verfallen zu können, die Decke über den Kopf zu ziehen und erst wieder aus dem Bett zu kriechen, wenn draußen mindesten 10 Grad und Sonnenschein sind.Aber als dann am letzten Sonntag Deutschland die Handballweltmeisterschaft und Indianapolis den Superbowl gewonnen hat, kam auch bei mir langsam das Gefühl eines leisen Optimismus zurück (der allgemeinen Euphorie kann man ja schlecht entgehen), dass vielleicht doch alles möglich ist und ich vielleicht einfach mehr Fan meiner eigenen Mannschaft sein sollte. So höre ich mittlerweile zumindest schon die Vögel singen, wenn ich früh um 7 verschlafen aus meinem Küchenfester schaue, um mich mit Kaffee für meinen mal wieder viel zu langen Tag zu wappnen.

Zum Glück haben auch die Hälfte aller bekannten Murmeltiere am 2. Februar zum Groundhog Day gesagt, dass bald Frühling wird. Wie ich herausgefefunden habe, gibt es etwa zwei Duzend berühmete Murmeltiere, die besonders gut voraus sagen können. Für alle, für die dieser Brauch auch neu ist: Wenn an diesem Tag das Murmeltier aus seiner Höhle kommt und draußen bleibt, wird es bald warm. Wenn es aber r
auskommt und aufgrund von Lichtverhältnissen seinen eigenen Schatten sieht, sich erschrickt und sich wieder versteckt, dann sind mindestens noch 6 Wochen Winter. Berühmte Murmeltiere sind zum Beispiel Punxsutawney Phil in Philadelphia, Balzac Billy, General Beauregard Lee, Jimmy the Groundhog in Wisconsin, Shubenacadie Sam in Neuschottland, Staten Island Chuck und Wiarton Willie in Kanada. Dieses Jahr haben sieben von ihnen voraus gesagt, dass es bald Frühling wird und nur Dunkirk Dave, Jimmy the Groundhog und PeeWee haben sich erschrocken.

Wie schon gesagt, das Semester läuft in vollen Zügen. Ich hab 10 Kredithours (2 Seminare in Amerikanische Architektur und Cultural Studies, ein Independent Studies Kurs für meine Magisterarbeit) und ein 15 Stunden/Woche Praktikum samt PR Kampagnen-Kurs bei Hirons & Company, einer lokalen aber relative angesehen PR- und Kommunikationsagentur.So ziehen die ersten Wochen im neuen Jahr vorüber und ich bin jedesmal erleichtert, wenn es Donnerstagabend ist. An den Wochenende versuche ich mich dann gegen meinen Instinkt nicht ganz unsozial zu verhalten und zumindest ab und zu mal unter Leute zu gehen. Hoffentlich denkt ihr jetzt nicht, dass ich ein trauriges, einsames Leben führe. Nach mindestens 12 Stunden Kommunikation pro Wochentag, hab ich nur momentan ab und zu (wie man so schön sagt) "die Schauze voll" von Menschen und verstehe mich so viel besser mit meiner Decke, Fernbedienung und der tausendsten Wiederholung einer Sex & the City Folge. Auf das bald Frühling wird...!

Januar 31, 2007

Apertura 2006 - El Pincha salió Campeón

Meinen ersten Besuch bei einem Argentinischen Fussballspiel hatte ich ja schon beschrieben. Es war das fantastische 7:0 im "Clásico" gegen den Stadtrivalen Gimnasia. Seitdem bin ich relativ regelmässig zum den Spielen von den Estudiantes gegangen. Und ich habe eine fantastische Spielzeit gesehen...
Das Spiel gegen Gimnasia war schon das vierte in Folge das von der Mannschaft um ihren Kapitän Verón gewonnen wurde und die Estudiantes bliessen zum Angriff auf die Tabellenspitze. Nachdem Godoy Cruz und Nueva Chicago besiegt wurden, kam der grosse "River Plate" nach La Plata. Die Estudiantes siegten auch weiterhin, gegen den damaligen Konkurrenten um den Zweiten Tabellenrang. Bei River standen hochkarätige Namen, wie Ariel Ortega und Marcelo Gallardo auf dem Feld. Doch auch sie konnten nicht die 3:1 Niederlagen bei den Estudiantes verhindern. So konnte ich mich über einen weiteren "Pinchasieg" freuen und auch darüber, die beiden Jungstars Gonzalo Higuaín, der inzwischen bei Real Madrid spielt und Fernando Beluschi, dem der Trainer Pasarella einen derzeitigen Marktwert von dreissig bis vierzig Millionen Euro bescheinigte und der wohl spätestens nächstes Jahr auch nach Europa gehen wird, gesehen zu haben.
Als nächster grosser Klub kam Racing und zog wie schon alle anderen zuvor, im "Estadio Unico" den Kürzeren. Es folgten die letzten beiden Spiele der Apertura 2006, der ersten von den beiden ausgespielten Meisterschaften der Saison 06/07. Boca stand wie schon die ganze Saison über auf dem ersten Rang und konnte bereits am vorletzten Spieltag die Meisterschaft klar machen. Doch sie spürten wohl den heissen Atem der Estudiantes im Nacken und verloren völlig unerwartet gegen Belgrano Cordoba mit 0:1. Die Pinchas hingegen spielten später und wussten von der Niederlage. In der letzten Minute konnten die Argentinos Juniors noch den Ausgleich erzielen und so war die Stimmung natürlich auf dem Tiefpunkt angelangt- die grosse Chance, auf einen Punkt an den Meister heran zukommen war vertan. Beim letzten Spiel kam Arsenal de Sarandí, immerhin vierter in der Tabelle nach La Plata, während Boca zeitgleich zu Hause gegen Lanús spielte. Die Situation war die Gleiche wie schon zuvor. Gewinnt Boca, sind sie Meister, spielen sie Unentschieden, auch. Die Zwischenstände wurden im Stadion nicht durchgegeben, doch Unzählige hatten ihre Radios mit im Stadion um zu hören, wie sich Boca schlägt.



Die Mannschaft kommt ins Stadion

Raunen geht durch die Menge als bekannt wird, dass Boca 1:0 führt. Doch die Pinchas sangen noch lauter und hofften weiterhin auf die Niederlage. "Lanús hat ausgeglichen", mit Ohrenbetäubenden Jubel wurde Lanús schon für dieses Tor gefeiert, während die Estudiantes sich immer noch gegen Arsenal quälten und es zur Halbzeit 0:0 stand. "Goooool, Gooooooool", Lanús führte und von da an war im Estadio Unico die Hölle los. Ecke Veron, Alayes steigt hoch und köpft zur Führung. Nur 5 Minuten später, "El Tanque", der Panzer, Mariano Pavone macht mit dem zweiten Tor alles Klar. Warten...., wie hat Boca gespielt? ...nein, das glaub ich nicht, das kann nicht sein...! Die Estudiantes hatten auf dem letzten Spieltag noch einmal die komplette Meisterschaft auf den Kopf gestellt und mit dem Meister gleichgezogen.



Aus, aus, aus, das Spiel ist aus....

Doch was passiert jetzt? Kein Torverhältnis, kein direkter Vergleich: ein Finalspiel soll den Meister krönen und zwar drei Tage später am Mittwoch. In La Plata, wurden schon einmal die Strasse gesperrt und die ganze Nacht dieses Finale gefeiert.



Nach dem Sieg war die Hölle los

Dienstag musste ich noch zur Uni und meine Noten abholen. Ich wollte mich mit "Puci" dort treffen und danach wollten wir unsere Karten für das Finale holen. Um 7 Uhr Morgens bekomme ich einen Anruf, es ist Puci: "Mati du musst sofort herkommen, zum Stadion, wir haben hier übernachtet und haben gute Plätze, wir bekommen unsere Karten, aber du musst jetzt herkommen, die Polizei sperrt schon die Strassen und du kommst sonst nicht mehr vor zu uns, ausserdem lassen dich die anderen nicht vor, weil sie sonst sauer sind".



Anstehen für die Karten

Also ich, schnell unter die Dusche und ab zum Stadion. Um zehn musste ich mit der Polizei verhandeln, dass ich schnell mal zur Uni muss, damit ich meine und Pucis Noten holen kann. Wiederangekommen (und bestanden) standen wir insgesamt weitere 10 Stunden in der Schlange, ohne dass sich auch nur irgendetwas rührte. In der absoluten Hitze des argentinischen Sommers standen wir und die Stimmung wurde brisant. Nachdem die Leute die Polizei beschimpften, wurde kurzerhand mit Gummigeschossen ca. 50m vor mir für Ruhe gesorgt. Nach 10 Stunden hatte ich meine Karte in der Hand und war glücklich, das Finale in Buenos Aires, im Stadion von Veléz Sarsfield sehen zu können.



Wenn sich schon nichts bewegt, dann kann man ja wenigstens Spass haben. "Vamooooos, Pincharrata,...carajo!

Nachdem ich meine Arbeit in Buenos Aires fertig hatte, fragte ich wie ich zum Stadion kommen könne und fuhr los. Kamera und Rucksack hatte ich schweren Herzens zu Hause gelassen, da ich die Ecke nicht kannte und mir nicht sicher war, wie sicher alles sei. Im Stadtteil Liniers angekommen, traf ich mich mit meinen Pinchafreunden. Das Spiel begann wie die gesamte Saison auch: Boca ging früh in Führung. Martin Palermo erzielte ein Kopfballtor schon in der 4. Spielminute. Doch wie schon die gesamte Spielzeit über kämpften sich die Estudiantes zürück. José Sosa (65.) mit einem Freistoss und Mariano Pavone (80.) drehten das Spiel noch einmal. Nach 90 Minuten: "El Pincha salió Campeón", der Pincha war Meister. Zum ersten Mal seit 23 Jahren. Ganz La Plata tanzte zwei Tage durch und es herrschte der Ausnahmezustand. Am Freitag nach dem ganzen Spektakel setzte ich mich in den Flieger und machte mich auf dem Weg in die USA. Für mich wird das Erlebte einzigartig bleiben. Für die Pinchafreunde hatte ich meinen Anteil an dem Sieg der Meisterschaft. Schliesslich hatten die Estudiantes seit meinem ersten Erscheinen beim 7:0-Jahrhundertklassiker nicht mehr verloren, immerhin 13 Spiele. "Alemán, dir ist schon klar, dass wir dich nicht mehr nach Hause fahren lassen..."

Januar 26, 2007

Fast 4 Minuten Anja-Gefühl

Nachdem sich meine Eltern schon riesen Sorgen gemacht haben, weil sie bei dem Video, das ich gepostet hab, den Ton nicht hatten und nur die Beerdigung mit dem Titel "Fast 4 Minuten Anja-Gefühl" gesehen haben, habe ich mich entschieden doch noch nen kurzen Beitrag zu dem Lied zu schreiben. Das Video ist reiner Zufall und nein, ich habe auch keine Selbstmordgedanken. Ich mag das Lied von Sarah Bettens einfach nur, weil sie darüber singt, wie es mir manchmal geht. Aber wie gesagt, keine Angst. Auf ihrer CD "Scream" gibts auch ne ganze Menge fröhlicher Lieder, zu denen ich auch Bezug habe. "I want you to know I am okay"...

Januar 14, 2007

McDonalds, Tränen und der Abschiedsplan

Die letzten Dinge, an die ich mich von Matthias Besuch erinnere, beinhalten eine 2 Stündige Busfahrt im Nirgendwo-Stadtumland von Chicago, ein Billigmotel, Essen vom Supermarkt und McDonalds, 2 Stunden Schlaf, Tränen und eine fast nicht mögliche Ausreise.
Wir haben am 3. Januar ganze 10 Stunden von mir zu hause bis zum Hotel am Chicagoer Flughafen (oder zumindestens dachte ich das sei in der Nähe) gebraucht. Erst sind wir mit einer Freundin nach Indy, haben dann noch 2 Stunden downtown verbracht, den Megabus genommen und sind gegen 6 in Chicago angekommen. Da ich gedacht hatte, wir machen uns einen netten letzten Abend mit Wein und Käse, haben wir für circa eine weitere Stunde einen guten Supermarkt gesucht. Den, den wir gefunden haben, wollten wir uns nicht leisten (10 Dollar für Käse?), also sind wir für eine weitere halbe Stunde zur nächsten Subway-Station gelaufen, um dann für eine weitere Stunde in der U-Bahn zu sitzen. Von dort aus hatte ich eine Busverbindung herausgesucht, aber es gab wohl zwei Richtungen für die gleiche Busnummer und unser Busfahrer hatte leider keine Ahnung wo wir hinwollten, so dass wir dann an irgendeiner Tankstelle im veregneten, windigen Gewerbegebiet ein Taxi zum Hotel genommen haben. Zum Glück gabs auf der anderen Strassenseite wenigstens noch das vertraute Leuchten des gelben Ms, was den Matthias dann ja auch meistens schon wieder zufrieden stellt. Das Taxi vom Hotel zum Flughafen ist dann um 5.30 abgefahren, so dass jede vergangene Stunde auf dem elektrischen Wecker nur noch mehr zu schlafloser Frustration meinerseits führte. Nicht mal der Rosé aus den Hotelplastebecher konnte mich darüber hinwegtrösten.

Damit aber gar keine Abschiedsstimmung aufkommen konnte, hat der Matthias in Weiser Vorraussicht alle Dokumente bis auf seinen Pass in Argentinien gelassen, so dass die netten Continental-Angestellten am Schalter etwas stutzig wurden, als er weder Uni-Unterlagen, noch Visum oder Ähnliches vorweisen konnte. Die nächste Stunde war dann erstmal mit panischem Rummgerenne (Fax und Telefon auf dem Flughafen um 6 auf dem Flughafen finden und dann bei der Universität in LaPlata, wo gerade Semesterferien sind und die Bürokratie sowieso nicht regiert, anrufen?) ausgefüllt, doch glücklicherweise hat Matthias dann in letzter Minute noch sein Rückflugticket nach Deutschland gefunden, dass als Beweisstück 1A für seine Rückreise aus Argentinien akzeptiert wurde.Kurz vor dem Boardingzeit standen wir dann gerade noch rechtzeitig am Eingang zur Abflughalle. Nicht viel Zeit zum heulen und schon war er durch die Sicherheitskontrolle durch und ich erstmal für 5 Minuten auf der Damentoilette. Ganz schön clever vom Matthias, da wir ja beide keine Freunde des großen Abschieds sind. Hätte nicht gedacht, dass er so geplant sein kann...

Januar 10, 2007

Das Wiedersehen

Nach meinem 12 stündigen Flug bin ich, über die Stationen Buenos Aires und Houston, am 16. Dezember in Chicago angekommen. Am Flughafen wartete dann auch schon die etwas aufgeregte Anja. Aufgeregt war sie, weil alle anderen Passagiere aus Houston schon längst zur Gepäckausgabe gekommen waren und ihre Koffer abgeholt hatten. Nur von Matthias war weit und breit keine Spur. Ich war aus Versehen zum falschen Ausgang heraus gegangen und musste somit erst wieder den richtigen Eingang zu meiner Gepäckausgabe finden. Diesen fand ich auch genau im letzten Moment, bevor Anja dabei war, mich ausrufen zu lassen und mithilfe von Interpol nach mir fahnden zu lassen.
Mit der U-Bahn fuhren wir dann zu der Station an welcher Anja das Hotel vermutete, das sie für uns gebucht hatte. Wer Anja kennt, der kann sich vorstellen, wie sie sich gefühlt haben muss, als wir dieses nicht gleich gefunden hatten. Sie hätte sich ja besser vorbereiten können, antwortete sie, wenn ich zu ihr sagte, dass es mir nichts ausmachen würde mit dem Rucksack durch die Gegend zu laufen. Ich, aus dem argentinischen Sommer mit fast täglichen 30 Grad, kommend, erwartete eigentlich einen strengen Winter in der "windy city". Anja hatte sich von einem Freund aus Bloomington eine Winterjacke für mich ausgeliehen, die ich aber eigentlich nicht wirklich gebraucht hatte, da die Temperaturen so um die 10- 15 Grad lagen.
Nachdem wir das Hotel gefunden hatten, haben wir noch eine kleine Tour durch die Stadt gemacht und noch nach etwas zu Essen gesucht. Vor dem Schlafengehen sind wir noch einmal in den "Signature Room" gefahren, eine Bar im 96. Stock des 6. höchstem, freistehenden Gebäudes der Welt, dem Hancock Observatory.
Nach einem fantastischen Frühstück gingen wir am nächsten Tag noch einmal auf Stadttour. Für den Nachmittag hatten wir Eintrittskarten für ein Spiel der Blackhawks gegen die Colorado Avalanche. Somit ermöglichte mir Anja mein erstes, live-gesehenes NHL-Spiel. Der nächste Tag begann dann weitaus stressiger als die beiden vorigen. Wir mussten mit dem Bus nach Indianapolis fahren. Meiner Arschruhe sei Dank mussten wir an der Station nicht stundenlang warten, wie es für Anja typisch gewesen wäre, sondern kamen im festen Laufschritt genau noch richtig, um den Bus nicht zu verpassen.
Von Indy aus holte uns Anjas Nachbar ab, bei dem man leider nie weiss, ob er sich extra frei nimmt, um Anja den einen oder anderen Gefallen zu tun. Jedenfalls war er in der Zeit in Bloomington für mich und Anja jederzeit zur Stelle, wenn er auch nur irgendetwas für uns beide tun konnte. Eine Stunde später in Bloomington angekommen bemerkten wir schnell, das die Stadt wie ausgestorben war. Die ca. 35.000 Stunden der IU waren alle schon zu Hause bei ihren Eltern um dort die Festtage zu verbringen.
Abends wollten wir mit Jim, dem Nachbarn, und ein paar seiner Freunde noch etwas trinken gehen und mussten erst einmal eine Weile suchen, bis wir eine Bar gefunden hatte, die auch noch zur späteren Stunde geöffnet hatte. Am besten kann man kann man den Kulturschock an den Sportarten nachvollziehen, die von den Leuten verfolgt werden. Somit konnten wir gleich ein Spiel der Indianapolis Colts in der Bar sehen, welches lautstark von den Coltanhängern begleitet wurde. Ein Footballspiel dauert nur leider sehr lange, so dass wir das Ende nicht mehr mitbekommen haben.
Am nächsten Tag sind wir dann, bei herrlichstem Herbstwetter, den menschenleeren Campus der Indiana University entlangspaziert und Anja hat mir alles gezeigt was wichtig und schön ist. Herbstwetter bedeutet nicht nur milde Temperaturen, sondern auch Dauernieselregen den ganzen Tag. Ich denke, dass wir in ganz Indiana die einzigen Menschen waren, die an diesem Tag zu Fuss unterwegs waren.
Am 23. Dezember hiess es dann schon wieder Koffer packen. Vor uns stand eine 13 stündige Busfahrt mit dem berühmt-berüchtigten Greyhound. Wie Anja schon einmal beschrieben hat, ist die Reise mit dem Greyhound eine ur-amerikanischer und sehr einprägsame Erfahrung. Zu Beginn unserer Reise wurde ein netter Mitpassagier von der Reise ausfgeschlossen, weil er seinen Schliessmuskel nicht mehr unter Kontrolle hatte und etwas seiner Körperflüssigkeit verlor (obwohl ich nicht weiss, ob man dabei noch von Flüssigkeit spricht).
In Beaverton angekommen verbrachten wir mit den Bighams, Anjas ehemaliger Gastfamilie, den 24. Dezember auf einer Familienfeier. Am Morgen des 25. Dezember gab es dann die grosse Bescherung. Doch, ich denke, dass ein wenig vom Weihnachtszauber verloren geht, wenn man sich nicht einmal mehr Mühe gibt, auch nur so tun, als ob der Weihnachtsmann die Geschenke am Abend, oder auch in der Nacht bringt, sondern die Geschenke schon mehrere Tage vor der Bescherung im Wohnzimmer herumstehen. Die beiden Kinder, Justin und Jade nutzten natürlich die Gelegenheit, um durch abschätzen der Grösse und des Gewichtes zu erahnen, ob es dieses Mal die gewünschte Stereoanlage oder das Notebook geben würde. Auch für die beiden ausländischen Kinder gab es kleine Geschenke, worüber sich die beiden auch sehr gefreut haben.
Am Nachmittag des 27. machte sich die Reisegruppe Zinke/Adler wieder auf, um nach Bloomington zurück zufahren. Der Greyhound wurde uns erspart, weil Shravan uns angeboten hatte uns mitnehmen zu können. Shravan ist ein Inder der in Indiana lebt und den Anja auf einer Party kennengelernt hatte. Shravan musste seine Verlobte Shana in Michigan zurücklassen, da sie noch bei ihren Eltern blieb, um die bevorstehende Hochzeit zu planen. Zwei Tage später waren wir eingeladen worden, ihm bei herrlichem, selbstgekochten indischen Essen ein wenig Gesellschaft zu leisten.
Am 31. Dezember machten wir uns wieder auf, um, dieses Mal mit einem gemieteten Auto, wieder nach Chicago zu fahren und dort Anjas Geburtstag und Sylvester zu feiern. Wir teilten uns das Auto nach bester Mitfahrzentralmanier mit einem indischen Pärchen, das auch auf dem Weg nach Chicago war. Den Jahreswechsel verbrachten wir in einer schicken Bar, in welcher Leila, eine Freundin von Anja aus High-School-Zeiten, arbeitete. Leila musste dann doch länger als erwartet arbeiten, so dass wir erst weit nach Null Uhr die Bar verlassen konnten und nach einem Ort suchen konnten, wo wir noch ein wenig feiern konnten. Die Bars die wir dann aufsuchten waren aber entweder schon im Inbegriff zu schliessen oder restlos überfüllt. Somit sind wir zu Leila nach Hause gefahren und haben dort zusammen mit ihrem Freund Justin, Fiorella, einer peruanischen Freundin von Leila und ihrer Begleitung noch ein, Zwei Gläser Wein gertrunken, bevor wir dann auch schlafen gegangen sind.
Am nächsten Tag fuhren wir dann wieder mit unseren Indern nach Indiana zurück. Die letzten Tage in Bloomington verbrachten wir mit Eislaufen, Freunde treffen und Ausspannen.
Am 3. Januar fuhren wir wieder mit dem Bus nach Chicago, von wo aus ich am nächsten Morgen meine "Heimreise" nach Buenos Aires antreten sollte.
Im Nachhinein sind die drei Wochen natürlich viel zu schnell vergangen. Festzuhalten bleibt, dass es schön war Anja wieder gesehen zu haben. Auch Chicago war eine schöne Erfahrung. Die Stadt ist sehr vergleichbar mit New York, nur dass sie bei weitem sauberer und viel ruhiger ist. Wenn man einen guten Tag erwischt dann riecht die ganze Innenstadt nach Schokolade, weil direkt in Downtown eine Schokoladenfabrik ihren Sitz hat. Als wir zum Eishockeystadion gelaufen waren, hatten wir so einen Tag erwischt und die ganze Zeit wehte uns eine schokoladige Brise um die Nase. Jetzt sind es nur noch knapp 6 Monate bis Anja zu mir kommt und ich ihr ein wenig Argentinien zeigen kann.

Januar 05, 2007

Happy New Year an alle unsere Lieben!

Wir wollten allen nur ein gutes neues Jahr wünschen, viel Gesundheit, Freude und dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehen. Matthias und ich haben jetzt 3 Wochen zusammen verbracht und heute habe ich ihn früh um 5 am Flughafen in Chicago abgeliefert, weswegen ich viel zu müde bin jetzt mehr zu schreiben. Versprochen ist aber, dass wir uns bald mit neuen Beiträgen und einem Bericht zu unseren Winterferien melden. Wir denken an euch und freuen uns schon bald wieder nach hause zu kommen, denn schließlich fängt jetzt schon die zweite Hälfte an.

Dezember 09, 2006

Viele letzte Male und vielleicht ein kleiner Neuanfang

Der folgende Post wird hoffentlich als Entschuldigung und Erklaerung herhalten, fuer alle die, die sich fragen, was mit mir passiert ist oder warum ich nichts mehr von mir hoeren lasse. Meine letzten zwei-drei Wochen waren ziemlich erlebnisreich und ein bisschen stressig. Ab heute ist naemlich hier das erste Semester zu Ende und am Montag sind meine drei Abschlussarbeiten faellig. Hinzu kommt aber noch, dass momentan staendig irgendwas los ist, weil es eben auf das Ende des Semesters zu geht und ja auch bald Weihnachten ist.
Aber erstmal zum Akademischen: Es ist ein gewoehnungsbeduerftig zwei Hausarbeiten von mindestens 20-30 Seiten parallel zum laufenden Semester zu schreiben, aber das Gute ist, dass man hier schon mehrmals im Semester Drafts und Bibliographien abgeben muss, so dass ich nicht total in Panik ausgebrochen bin, als ich festgestellt habe, dass ich nur noch zwei Wochen habe. Die zwei Papers sind fertig fuer Communication Research und Intro to American Studies und ich muss jetzt nur noch eine final story (heute und morgen) fuer meinen Journalismuskurs schreiben. Ich mache ein Feature ueber die internationalen Studenten, die Weihnachten hier verbringen--sollte also auch ein bisschen Spass machen.
Ansonsten reihen sich gerade Weihnachtsfeiern, Semester-Abschlussparties, Abendessen, und Abschiedsparties fuer die ganzen Europaer, die jetzt nach einem Semester wieder nach hause fahren, aneinander. Ich habe mir gedacht, dass ich einfach mal die Bilder fuer sich sprechen lasse (nur so als kleiner Überblick: 1. Political Science Christmas Party im Ragazzi Art Cafe, Salsa Club in Indianapolis mit Spanish Conversation Club, Weihnalchtslieder singen mit Andreas und Antje, Eve in der Küche beim Vorbereiten eines ihrer fantastischen französischen Dinner, International Brunch im tutto bene).Ich will mich aber ueber den "Stress" ueberhaupt nicht beschweren und freue mich, dass ich ab Montag erstmal drei Wochen frei habe und im Unterschied zu den deutschen Semesterferien ueberhaupt nichts fuer die Uni machen muss. Ich werde uni-unverwandte Buecher lesen, endlich mal mein Haus sauber machen, zum Friseur gehen und mich stundenlang mit Freunden zum Kaffee verabreden. Obwohl momentan ueberall Ende und Weihnachten gefeiert wird, bin ich froh, noch ein halbes Jahr vor mir zu haben. Klar, hab ich manchmal Heimweh, aber die letzten Wochen haben mir das gute Gefuehl gegeben, dass es fuer mich hier jetzt erst richtig anfaengt...

Dezember 08, 2006

Argentinien und der Mate

Woran denkt man, wenn man an Argentinien denkt. Vielleicht an Fussball, oder auch an Rindfleisch, oder vielleicht sogar an langhaarige und baertige Maenner. Das ist auch auf jeden Fall alles richtig, alles das gehoert zu Argentinien wie die Bratwurst nach Deutschland.
Doch es gibt eine Sache , die weitaus repraesentativer ist. Und das ist der Mate. Wenn man durch die Stadt laeuft, sieht man ueberall Leute herumstehen oder -sitzen, die den runden Mate herumreichen und ein wenig entspannen. Mate trinken heisst in ersten Linie gar nichts machen und entspannen. Und das koennen die Gaucho hervorragend, entspannen...Hier kommt eine kleine Einfuehrung im Entspannen auf argentinisch.
Um Mate trinken zu koennen braucht man natuerlich einen Mate. Dieses Trinkgefaess ist entweder aus Holz, aus Metall oder aus einem Kuerbis geschnitzt. Ich habe einen schoenen Mate aus einem Kuerbis. Darueberhinaus braucht man eine Bombilla (hier sagt man dazu Bombiescha, normalerweise waere das aber Bombieja). Dieser silberne Trinkhalm hat am unteren Ende ein Sieb und oben ein Mundstueck. Der Matetee selber heisst Yerba Mate (wieder hier: Scherba, sonst: Jerba). Yerba bedeutet aber nichts anderes als Kraut. Als weitere wichtige Utensilien muessen noch der Teekessel und die Thermoskanne genannt werden.
Man stellt die Bombilla in den Mate, und fuellt diesen ungefaehr bis zu zwei Drittel mit Yerba.
Den Wasserkocher stellt man natuerlich auf den Herd, um das Wasser zu erhitzen. Wichtig ist dabei, dass es nicht kochen darf. Wenn der Wasserkocher leiser zu pfeifen anfaengt, kann man das Wasser eigentlich schon benutzen. Entweder man schuettet nun das erwaermte Wasser in eine Thermoskanne, oder man schenkt sich einfach aus dem Kessel nach. Jetzt wird der Mate mit dem Wasser gefuellt. Normalerweise wird Mate in einer Runde konsumiert.
Man wird gefragt, ob man Mate trinken will und lehnt dieses eigentlich auch niemals ab. Normalerweise setzt man sich und der Besitzer des Mates holt seine Thermoskanne heraus und beginnt auszuschenken. Der erste Mate ist fuer ihn, da er bitterer ist, als die folgenden Aufguesse. Dann wird der Mate die runde herumgereicht, kehrt dabei aber immer wieder zum Besitzer zurueck, der dann jeweils wieder Wasser nachschenkt.
Fuer kurze Zeit lebte in meiner Pension ein Peruaner. Er arbeitete als Arzt in einem Kinderkrankenhaus und war auf Weiterbildung in Argentinien. wie viele Mediziner hatte er einen sehr trockenen und bissigen Humor. Er fand die Mentalitaet der Argentinier leider nicht sehr sympathisch, im Gegenteil, er schimpfte eigentlich ueber fast alles was argentinisch ist. Die grosse Klappe der Leute, der starke Dialekt und auch den Mate. Er sagte zu mir, dass er denke, dass die Argentinier die faulsten Menschen auf der Welt seien. Fuer sie gaebe es nur Fussball und Mate, sonst wuerden sie nichts machen. Und die Yerba Mate selbst, sei doch auch nichts anderes als Unkraut, das an irgendeiner Strassenecke wachsen wuerde. Er hat es auch nicht all zu lange hier ausgehalten und ist nach 2 Wochen nach Brasilien gefahren, um dort zu arbeiten.
Aber ganz so schlimm wie er sagte, sind die Leute hier nicht, aber das mit dem Fussball und dem Mate stimmt.
Fuer mehr Informationen ueber Mate: http://de.wikipedia.org/wiki/Mate

November 26, 2006

Drei Monate

Im Vorfeld hatte ich mir drei Monate gegeben, um mich an das Leben in Argentinien anzupassen. Ich wollte innerhalb dieser Zeit eine gewisse Routine entwickeln, Leute kennengelernt haben, damit ich die Zeit geniessen kann und vor allem die Sprache soweit gelernt haben, dass ich problemlos mit allen sprechen kann.
Inzwischen sind drei Monate vorbei und die Routine ist schon lange eingekehrt. Ich treffe mich regelmaessig mit den anderen Deutschen und habe auch schon genuegend Argentinier kennengelernt mit denen ich gerne Zeit verbringe. Meine Uni habe ich eigentlich ganz gut absolviert und mein Semester fast abgeschlossen. Ich habe auch alles bestanden was ich besucht habe und bin darueber ziemlich froh. Inzwischen spreche ich auch schon gut Spanisch und habe kaum noch Probleme mit der Verstaendigung.
Das Leben hier unterscheidet sich nicht grundsaetzlich von dem in Deutschland. Es laeuft zwar alles ein wenig entspannter ab, was mich aber nicht stoert. Ich werde oft gefragt, warum ich aus der Ersten Welt und die Dritte gekommen bin und es ist nicht einfach eine Antwort darauf zu finden, die die Leute nachvollziehen koennen. Es gibt hier viele Probleme und die Argentinier haben auch eine sehr kritische Sicht auf ihr Land. Es gibt sehr viel Armut. Aber Armut bedeutet hier nicht Harz IV oder Sozialhilfe. Armut bedeutet hier, kleine Kinder die auf der Strasse schlafen und durch die Kneipen ziehen, um ein wenig Geld zu erbetteln. Es gibt sehr viele Leute, die gar nichts haben, nicht einmal was zu essen. Ich weiss, dass es das auch in Deutschland gibt, aber bei Weitem nicht in dem Ausmass wie hier. Eine weiteres Problem ist die Gewalt. Leider sind die Argentiner auesserst heissbluetig und haben einen grossen Hang zur Gewalt. So ist natuerlich das Fussballstadion fuer viele Leute ein Ventil, um ihren Aerger in Form von Randale los zu werden. Es vergeht kein Spieltag der Primera A an dem es nicht irgendwelche Auseinandersetzungen gibt. Ich weiss auch, dass es Randale in Deutschland gibt, aber wenn einmal ein Linienrichter von einem Bierbecher getroffen wird, kann man das nicht damit vergleichen, dass die Polizei teilweise auf die Fans mit Gummigeschossen losgehen muss, damit man diese sich nicht gegenseitig umbringen.Dennoch muss ich sagen, dass ich mich sehr wohl fuehle und die Entscheidung hierher zu kommen noch nicht eine Sekunde bereut habe.
(Unglaublich, ich habe noch niemals violette Baueme gesehen, momentan ist die ganze Stadt voll davon.)
"Warum Argentinien?", ich versuche das meistens so zu beantworten: "Ich habe schon immer ein Trikot von Argentinien gehabt, und natuerlich ist der Fussball der Hauptgrund. Ich weiss, dass Argentien das einzige weisse Land in Suedamerika ist. Und ich weiss, dass Argentinien nicht wirklich zur dritten Welt gehoert. Es gibt gute Unis und viel Kultur. Ich wollte es einfach kennenlernen, weil ich weiss, dass das hier nicht Lateiamerika ist, aber eben auch nicht Europa." Meistens sind sie mit der Antwort auch zufrieden, denn obwohl sie sehr kritisch sind, sind sie auch riesige Patrioten.
Einmal bin in einem Geschaeft gefragt worden, wo ich denn herkommen wuerde. Nachdem ich gesagt habe, "aus Deutschland", antwortete der alte Mann: "Weisst du eigentlich, dass wir euch fuer die intelligentesten Menschen auf der Welt halten?" Ich muss Anja recht geben, dass ich, seitdem ich hier bin, immer stolzer auf meine Heimat werde. Wenn wir in der Uni Texte lesen und ein Buch "Nietzsche, Marx und Kant" heisst, bin ich schon stolz. Leider musste ich einmal den Professor berichtigen, als er sagte, dass Freud auch ein Deutscher war. Er haette aber auf Deutsch verfasst, antwortete er. Ich habe mir verkniffen zu sagen: "Gut, dann ist Borges jetzt auch ein Spanier fuer mich."
(Das ist der Eingang zu meiner Arbeit)
Inzwischen habe ich auch einen Job gefunden. Es gibt eine Zeitung in Buenos Aires fuer die deutschsprachige Gemeinde der Stadt. "Das Argentinische Tageblatt" wurde vor ueber hundert Jahren von Schweizer Aussiedlern gegruendet und ist seitdem im Besitz der Familie Alemann. Die Familie Alemann ist sehr beruehmt in Argentinien, wie ich im Nachhinein erfahren habe. Die beiden geschaeftfuehrenden Brueder waren Minister waehrend der Militaerdiktatur gewesen. Die Schwester wiederum ist eine Direktorin eines Theaters und der Vater war ein bekannter Komponist in Argentinien gewesen. Ich bin die Sportredaktionion. Meine Aufgabe besteht darin, DPA- Meldungen zu lesen, sie zusammen zu kuerzen, oder selbst etwas ueber den Sport in Deutschland zu schreiben. Ich fahre zwei bis drei Mal in der Woche nach Buenos Aires und kann so ein wenig mehr Zeit in der Hauptstadt verbringen. Die Redaktion befindet sich genau auf der riesigen Avenida 9 de Julio.
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Und der Obelisk ist nur fuenf Blocks von ihr entfernt. Die Stadt gefaellt mir sehr gut. Sie ist riesig gross und natuerlich voller Menschen. Sie ist schnell, laut aber auch ziemlich stilvoll. Fuer mich als Berliner gibt es nicht allzu viele Alternativen zu meiner Heimatstadt, aber Buenos Aires kann definitiv mithalten.
Dass schon in einem Monat Weinachten ist kann ich mir momentan nur schwer vorstellen, bei 30 Grad im Schatten. Aber ich freue mich schon darauf, Anja in einem Monat im kalten Michigan zu besuchen. Wenn ich dann wiederkomme, habe ich noch mehr als ein halbes Jahr vor mir und ich hoffe, dass ich die Zeit genauso geniessen werde, wie ich bisher getan habe.

November 20, 2006

St. Louis - Symbol für Verbindung, Realität für aktuelle Probleme

Der St. Louis "Arch" steht seit 1965 in und wurde von einem finnischen Architekten names Eero Saarinen entwurfen. Der Bogen symbolisiert die Verbindung zwischen Osten und Westen der USA während der Westexpansion. Er symbolisiert aber in gewisser Weise auch die Verbindung verschiedener Hautfarben, da er in Mitte der 60er Civil Rights Movements unter Beteiligung von gleichberechtigten schwarzen Arbeitern gebaut wurde. Denkmäler symbolisieren aber meist mindestens genauso viel wie sie vergessen lassen - man denke nur mal an die Freiheitsstatue - und somit sieht man zwar im zugehörigen Museum einige Dokumentationen über die Geschichte der Indianer und ihre Vertreibung aus dem Westen, aber wenig über St. Louis momentane Situation. Die Stadt ist in diesem Jahr kurz nach dem Sieg in der Baseball World Series zur gefährlichsten in den USA gewählt worden (http://www.cnn.com/2006/US/10/30/city.crime.ap/index.html) und eines der Hauptprobleme ist 40 Jahre nach der Einweihung des Bogens die Integration der schwarzen und ethnischen Bevölkerung. Es war schon eine merkwürdige Erfahrung mal aus der Downtown herauszufahren und auf einmal weit und breit die einzige Weiße zu sein.
Davon abgesehen war St. Louis aber auch an sich eine sehr interessante Stadt, zumindest interessant genug, dass ich bei schönerem Wetter nochmal hinfahren möchte. Die ganze Innenstadt hat eine sehr interessante Architektur. Die meisten Gebäude stammen aus der Hochzeit der Industrialisierung um die Jahrhundertwende. Viel Stahl, viel Glas, und ein bisschen Jugendstil. Momentan wird versucht, die großen, leeren Industriegebäude als Lofts zu renovieren. Die ganze Stadt wirkt noch etwas unfertig und aufgerissen. Das macht sie aber nicht weniger interessant und reflektiert in gewisser Weise auch ihre Geschichte und ihre Probleme.

November 16, 2006

Deutsch und die amerikanische Version davon

Anja in Chicago- Matthias in Monte

Nachdem mich mein Kommilitone Nacho (eigentlich Ignacio) seit über einen Monat gefragt hatte, wann ich denn nun endlich einmal in sein Dorf kommen würde, um dort ein Wochenende zu verbringen, hatte ich mir einen Termin rausgesucht und bin mit ihm nach Monte de San Miguel gefahren. Monte liegt ungefähr Hundert Kilometer von La Plata entfernt in der Provinz Buenos Aires. Auf der Busfahrt haben wir unzählige Kühe und Pferde passiert, die auf der weiten und grünen Pampa weideten. Argentinien bedeutet in erster Linie unberührte Natur, so weit das Auge reicht. Man muss sich vorstellen, dass in Argentinien nur etwa halb so viele Menschen leben wie in Deutschland, das Land aber fast 10 mal groß ist.
In Monte angekommen bin ich erstmal der gesamten Familie vorgestellt worden, die alle gleichzeitig in der Pizzeria des großen Bruders Juan gearbeitet haben.


Die Mutter und die ältere Schwester von Nacho sind eigentlich Erzieherinnen, müssen aber immer mithelfen, damit der Laden läuft. Dem Papa gehörte das Geschäft einmal selbst und nun arbeitet er für seinen ältesten Sohn. Bei den beiden Frauen hatte ich auch gleich ein Stein im Brett, als ich erzählt habe, dass meine Mutter auch eine Erzieherin sei.
Nacho streifte sich nach seiner Ankunft gleich die Schürze über, um Pizzas und Schnitzel für ganz Monte zu zubereiten. Ich wollte nicht nur herumsitzen und das mir angebotene Bier trinken. Also holte ich mir auch eine Schürze und begann damit Käse und Gemüse zu schneiden. Pause durfte ich erst einmal machen, als ich mir beim Tomaten schneiden den halben Finger abgehackt habe. So musste ich warten bis mein Stumpen nicht mehr blutete, damit ich das Essen nicht versauen würde.
Die Familie Rey hat sich wahrscheinlich auch gedacht, dass da einer aus Deutschland kommt, der keine Ahnung hat und nicht einmal Gemüse schneiden kann. Nachy hat mich dann aber verteidigt, da ich schon einmal für ihn gekocht hatte, wusste er, dass ich zumindest ein wenig davon verstehen würde. Nachdem die Familie Rey alle Montenser versorgt hatten, sind Nacho, seine Freundin Augustina und ich in eine Bar gegangen, wo wir dann ein paar Bier getrunken haben, und danach mit dem Auto des Bruders an die Lagune gefahren sind. (Die Leute fahren in Monte auch besoffen Auto, aber dadurch dass sie nur mit ungefähr 10 Km/h durch die Gegend fahren passiert dort nur selten was. Und wenn doch einmal was passieren sollte, kennt der Polizist mit Sicherheit die Leute und findet die passende Strafe.)
Das Dorf Monte liegt komplett an einem See, und die Aussicht und die Stille dieser Lagune sind sehr beeindruckend- für ein Wochenende zumindest.
Wir haben dann nur im Auto gesessen, Musik gehört, Bier getrunken und uns den Sternenhimmel angeschaut.
Am nächsten Tag musste Nachy wieder arbeiten ich habe mich erstmal ausgeschlafen. Der eigentliche Grund für meine Reise nach Monte war eigentlich eine Fiesta eines Freundes von Nacho. Dieser hatte sein Studium beendet und das war Grund genug, ungefähr 150 Leute einzuladen und ein wenig zu feiern.

Nachy und Juan haben mich um 2 abgeholt, damit wir zusammen zu der Party gehen konnten. Dort angekommen wurde ich erstmal allen 150 Leuten vorgestellt. In Argentinien küssen sich die Leute, egal ob Männchen oder Weibchen, zur Begrüßung, so dass ich erstmal reichlich Küsschen verteilen musste bevor ich frühstücken konnte.


Zum Frühstück gab es dann das weitaus beste Asado das ich jemals gegessen habe. Beim Asado wird so ungefähr eine halbe Kuh an eine Glut gestellt und so gegrillt. Das dauert dann mehrere Stunden und so zu bereitet, schmeckt das Rindfleisch auch wirklich nicht, wie man das aus Argentinischen Steakhäusern kennt. Dazu gab es dann Bier, Wein oder selber gemachten Daiquiri. Im Hintergrund spielte eine Band vier Stunden lang Cumbia. Während der Party sind alle Mädchen erstmal samt Klamotten in den Pool geschmissen worden, was natürlich für breites Grinsen bei allen männlichen Partygästen sorgte. Das ganze Treiben dauerte dann bis spät in die Nacht hinein.

Am nächsten Tag hat der Papa von Nacho fuer uns alle Gnocchi gemacht, die wirklich fantastisch waren. Wir haben uns dann noch eine Hütte angeschaut, in der angeblich der argentinische „Volksheld“ Roca einmal gelebt haben sollte (http://de.wikipedia.org/wiki/Julio_Roca). Einige Montenser behaupten Roca sei niemals in Monte gewesen, andere hingegen denken, dass Monte für Roca so etwas wie seine Wochenendresidenz gewesen sei. Der General Roca hatte in seinen glorreichen Feldzügen gegen die schwer bewaffneten und überaus gefährlichen Indianer in Südamerika gekämpft (in der heutigen Zeit spricht man in diesem Zusammenhang auch gerne von subversiven Personen.) Nachdem er die Eingeborenen allesamt ausgerottet hatte, wurde er zum Helden erklärt.

Bevor ich mich dann in den Bus gesetzt habe, sind Nacho und ich noch einmal die Lagune gefahren um dort endlich einmal ein wenig entspannen zu können, nachdem ich das gesamte Wochenende nur Stress hatte, dort haben wir dann gesessen und nichts gemacht, außer Mate (Tee) zu trinken.
Nach meinem Wochenende steht Eines fest: Wenn die nächste Fiesta in Monte ansteht, setzt sich der Aléman wieder in den Bus, um vor Ort sein zu können.

November 15, 2006

Mehr Chicago Bilder


Wicker Parc Viertel
Blick aus Leilas Appartment

Theater in der Southside

Leilas Wohnung

koreanische Bar

November 14, 2006

Just a City kind of Girl

Regen, Blitze und 2 Stunden Verspätung wegen Stau erwarteten mich Freitagabend als ich um 8 Uhr endlich in Chicago angekommen. Aber mich konnte an diesem Abend nichts mehr klein kriegen, denn nachdem ich die wunderschöne Skyline und die Lichter der Stadt aus meinem Busfenster sehen konnte, fing mein Herz an zu schlagen. Ich bin dann direkt von der Union Station in ein Taxi gesprungen und zu Leila, die ich (für die, die es nicht wissen) noch aus High School Zeiten kenne, auf Arbeit zu fahren. Nach 2 Gläsern Weiswein und Sushi war sie dann auch fertig mit ihrer Schicht im Blue Water Grill und der Abend konnte beginnen...Freitagabend endete mehr oder wenig als Samstagmorgen um 5 Uhr bei Leilas Freund Justin auf der Couch nach 2 Flaschen Rotwein in seiner Küche, mediteranen Essen und Coctails, in der Bar, in der er arbeitet, und einer kostenlosen Backstage-Erfahrungen bei einem Robert Randolph Konzert.

Samstag war dann etwas entspannter. Leila musste arbeiten und so hab ich die Freizeit genutzt um die Stadt zu erkunden. Gegen 8 Uhr wollte ich Leila dann von ihrer Arbeit abholen, aber leider musste ich die nächsten 3 Stunden an der Bar sitzen. Zum Glück kann man in Chicago in manchen Bars rauchen und die netten Barjungs haben mein Sektglas ohne zu fragen und ohne zu bongen aufgefüllt. Als Leila dann endlich fertig war, waren wir beide so müde, dass wir denn eigentlichen Plan tanzen zu gehen, aufgegeben haben. Anstattdessen waren wir bei einem Italiener essen und danach downtown in 2 Juppiebars (nicht so mein Ding).

Koreanisches Omelet, Lychee-Mimosas und mindestens 3 Tassen Kaffee begleiteten dann den Sonntagmittag, an dem Leila und ich beschlossen hatten Wicker Parc, das Chicagoer Kreativviertel zu erkunden und das ganze mit einem ausführlichen Brunch zu beginnen.

Wicker Parc ist, wie erwähnt, das Künstlerviertel in Chicago und wahrscheinlich momentan das Viertel, das kulturell am meisten wächst. Es gibt eine Menge independent-Modeläden, Galerien, Musik-und Buchläden und Cafés. Die Leute sind meist eine Mischung aus Bohemian und 80s Punk und alles in allem hat mich Einiges dort sehr an den Prenzlauer Berg oder Friedrichshain in Berlin erinnert.

Sonntagabend sind wir dann zu einem Theaterstück gegangen, denn Leilas Mitbewohnerin ist Regisseurin für Theaterstücke (nennt man das dann so-Direktorin?). Das Theater war in einem etwas "ärmeren" Teil der Stadt, was man in Chicago an flickernden blauen Lichtern über Sicherheitskameras erkennt, aber trotzdem war es total süß und alternativ. Es gab Wein mit Spendenprinzip und bei dem Stück hab ich fast geweint...fast!

Das schöne mit Leila ist, dass man nie weiß, wo man endet, aber man kann sicher sein, das es Spaß macht. Nach dem Stück haben wir zum Beispiel krampfhaft versucht ein Taxi aufzutreiben, weil es schon ganz schön spät war. Nach 10 Minuten frieren, haben wir uns dann in diesen Waschsalon zurück gezogen und den Süßigkeitenautomaten geplündert. Glücklicherweise hat ein Taxifahrer, der gerade seine Wäsche getrocknet hatte, mitbekommen, wie wir rumgealbert haben, dass wir dort nicht mehr wegkommen und uns dann nach hause gefahren. Was ich also mit dem ganzen Zeilen Text vor dieser hier sagen wollte, falls es nicht angekommen ist, ist, dass ich ein wunderbares Wochenende hatte, dass ich hoffentlich bald wiederholen kann.