März 25, 2007

Politik auf argentinisch

Die Uni hat in La Plata wieder begonnen und mit den ganzen Studenten hat auch die Politik wieder Einzug in den Regierungssitz der Provinz Buenos Aires gehalten. Nach der Sommerpause haben die politischen Geschehnisse sogar allerhand Fahrt aufgenommen. Leider wird in Deutschland nicht allzu viel davon berichtet, deshalb werde ich einmal versuchen "kurz" wiederzugeben, was hier derzeit die Leute beschäftigt.

An diesem Wochenende fand in La Plata ein Marsch anlässlich des 31. Jahrestages des Militärputsches von 1976 statt. Dieser Feiertag wurde in dieem Jahr zum ersten Mal durchgeführt und soll den Opfern der Diktatur gedenken. Auch der immer noch nicht aufgeklärte Fall des Bauarbeiters Jorge Lopéz spielte dabei eine wichtige Rolle. Obwohl sich inzwischen jeder bewuβt ist, dass der Kronzeuge gegen den Polizisten Etchecolatz schon lange verstorben sein wird, fordern die Leute die Regierung um Präsidenten Kirchner auf, endlich für die Aufklärung des Falles zu sorgen. Lopéz ist nun schon seit 6 Monaten verschwunden.
Ein weiteres politisches Highlight fand vergangene Woche in Buenos Aires statt. Der amerikanische Präsident George W. Bush besuchte während seiner Lateinamerika-Tour seine befreundeten Amtskollegen. Argentinien stand ebensowenig auf der Besuchsliste wie Venezuela. Der venezolaner Chavéz startete daraufhin zeitgleich seine ganz persönliche Latino-Tour. Er besuchte ebenfalls seine Freunde und versuchte sich immer möglichst nahe an den Orten aufzuhalten, an denen der Amerikaner weilte. Bush besuchte also unter anderem auch den argentinischen Nachbarn Uruguay in dessen Hauptstadt Montevideo. Buenos Aires liegt am Südufer des Río de la Plata und Montevideo genau gegenüber am Nordufer. Auf Einladung Kirchners reiste Chavéz nach Argentinien, um seinem Lieblingsfeind möglichst nahe sein zu können.

In einer zweistündigen Rede verwies der selbsternannte Ché Guevara-Nachfolger auf seine ehrgeizigen politischen Ziele und sparte dabei nicht mit Selbstlob und hämischen Spott für den Amerikaner. Diesen bezeichnete er als Männchen, dessen politischer Leichnam sich ohnehin schon bald zu Staub auflösen würde.
Abschließend an seine Reise durch Lateinamerika feierte sich Chávez als eindeutiger Toursieger, weil er ja im Gegensatz zu seinem Kollegen nicht mit Massenprotesten, sondern mit Beifallstürmen empfangen worden sei (womit er allerdings auch Recht hat).

Obwohl Kirchner bei dieser Rede in einem Fußballstadion nicht anwesend war, verlor er doch seinen neutralen Status in der diplomatischen Auseinandersetzung zwischen Venezuela und den Vereinigten Staaten. Ob das gut oder schlecht für Argentinien ist, kann ich leider nicht wirklich beurteilen. Mit Chavéz einigte er sich auf jeden Fall auf eine engere Zusammenarbeit. Das wohl interessanteste Projekt ist eine geplante Pipeline von Venezuela über Brasilien nach Argentinien. Dort soll dann das Erdgas veredelt werden und die Ost-Latino-Achse unabhängiger und vor allem auch wirtschaftlich leistungsfähiger machen.
Ein ganz anderes aber nicht minder interessantes Polittheater findet ebenfalls zur Zeit in Buenos Aires statt. Es stehen nämlich Wahlen an. Der Posten des Gouverneurs von Buenos Aires wird neu vergeben und so entbrennt momentan das politische Spektakel.
Der Präsident des Fußballvereines Clúb Atletico Boca Juniors, Mauricio Macri, hat ebenfalls seine Kandidatur bekannt gegeben. Macri, nennt sich selbst rechtsliberal, ist zufällig einer der reichsten Menschen in seinem Land. Hauptberuflich ist er der Chef der Macri-Gruppe. So gehören ihm Autobahnen, Autofabriken und etliche andere mehr oder weniger große Firmen, von den allein die "Sideco" mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr einbringt. Macri ist sehr ehrgeizig und möchte in nicht all zu ferner Zukunft auch Präsident sein. Seine Familie profitierte vor allem vom so genannten Neo-Liberalismus in Argentinien während der 90 Jahre. Der damalige Präsident Menem koppelte unter anderem den Peso an den Dollar. Somit bescherte er seinem Land einen unerwarteten Aufschwung und Reichtum. Da die Wirtschaft diese Koppelung aber nur künstlich, und zwar mit nicht gerade wenigen Schulden im Ausland aufrechterhalten konnte, platzte eine riesiege Seifenblase im Jahr 2001, als sich der Peso von ganz allein wieder auf seinen eigentlichen Wert korrigierte. Die Unterschicht verlor während dieser verheerenden Krise ihr ganzes Hab und Gut- die Mittel- und Oberschicht überstand diesen Crash relativ unbeschadet und die ganz Großen hatten schon im Vorfeld genug von dem Reichtum auf die sichere Seite gebracht und intelligent investiert. Macri besitzt zum Beispiel auch Firmen in China.
Bei der Inflation verlor der Peso fast seinen dreifachen Wert. Der Fußballverein Boca Juniors befand sich ohnehin schon in einer armen Gegend von Buenos Aires. Doch nach der Krise verreckten die Menschen förmlich auf der Straße.
Der gute Herr Macri möchte nun Gouverneur werden und startet seinen Wahlkampf stilsicher auf einer Müllkippe in Villa Lugano, einem der allerärmsten Viertel der Hauptstadt. Im Arm ein kleines Mädchen mit verrotzter Nase haltend sagt er, dass er hier sei um den Leuten zu zeigen, dass es in Buenos Aires nicht überall aussehe wie in den Nobelstraßen Callao und Alvear. Die Müllkippe ist das Zuhause des kleinen Mädchen mit dem T-Shirt I love Argentinien.
Darüberhinaus, darf man nicht vergessen, dass er ja nebenbei noch zufällig den größten Fußballverein in ganz Südamerika leitet. Ein Fußballverein wird in Argentinien zum Einen von der Geschäftsführung geleitet, zum Anderen aber auch von den Barra Bravas. Diese Hooligans organisieren den ganzen nicht wirtschaftlichen Teil des Vereines. Auswärtsfahrten, Mitgliederakquise, und alles was noch anfällt und eben auch erledigt werden muss.
(Ein kleines Filmchen über die "Arbeit" von Rafa Di Zeo. Boca spielt gegen River im Monumental, dem Stadion von River, leider nur in Spanisch.)

Die Chefs der Barras sind somit fast ebendso mächtig wie der Präsident selbst, da die Massen ihm Folgen. Und: ohne die Barras kann sich kein Präsident an der Spitze eines Vereines halten. Also gibt es immer wieder kleine Geschäfte zwischen "oben" und "unten". Der Präsident von Gimnasia de La Plata hat zum Beispiel einmal seinen Barras eine kleine Bäckerei gekauft, samt Maschinen und Immobilie. Warum weiß keiner, aber denken können sich es alle. Bei River durften sich die Barras sogar ihre WM-Tickets direkt aus der Geschäftsstelle abholen. In ganz Europa arbeitete die Polizei mit den Vereinen zusammen, um die Ausreise der Hooligans zu verhindern- hier hingegen wurde wahrscheinlich noch ein kleines Schleifchen um die Eintrittskarten gebunden. Der Chef der Barras von Boca, der "12", heisst Rafa Di Zeo und ist ein heimlicher Star, gibt Interviews und wird von Paparazzi verfolgt.

Nur leider sucht gerade Interpol nach dem guten Rafa, unter anderem wegen schwerer Körperverlezung und auch wegen eines Todesfalles eines Barras von River. Macri ließ verlauten, dass Di Zeo unter diesen Umständen kein Mitgleid mehr seines Vereines sein könne. Doch noch am gleichen Tag machte der schmale Her mit dem spitzen Schnurbart eine ganze Rolle rückwärts und sagte, dass er wohl doch "Socio" bleiben würde.
Da fragt man sich zurecht, was oder vor allem wer ihn denn innerhalb so kurzer Zeit zum Umdenken gebracht hat. Auch die politische Opposition stellt die Machenschaften des Spitzenkandidaten der Partei "PRO" stark in Frage. Ungeachtet aller Spekulationen ist Macri weiterhin Favorit auf den Posten.
Ironischerweise ist der derzeitige Bildungsminister Daniel Filmus der wohl größte Konkurrent des Wirtschaftsgiganten. Bunter kann Politik nicht sein. Macri ist clever und hat schon vorgesorgt- mit einem Geschenk. Er kaufte mal eben einen der besten Fußballer der Welt ein, damit dieser für ganze vier Monate in seinemVerein spielen kann. Mit Juan Román Riquelme kaufte er DAS Idol ein. Für die Fans von Boca ist "Romi" einer von ihnen- von ganz unten gekommen und nun ein Superstar. Ein geschickter Schachzug, wenn man bedenkt, dass ungefähr ein Drittel aller Argentinier Anhänger von Boca sind. Die Frage, ob die Mischung aus Korruption, Fußball und Effekthascherei den etwas blassen Filmus besiegen, der für Werte wie Kultur, Bildung und Moral steht. Wie schon gesagt besser kann ein Wahlkampf eigentlich nicht sein, Spannung ist garantiert.

März 20, 2007

Nur der Asphalt und ich

Vielleicht sind dem oder der einen oder anderen von euch in den letzten Wochen beim MTV schauen leicht bekleidete tanzende College-Studentinnen, sonnenverbrandte betrunkene Jungs und Wet-T-Shirt Contests am Pool aufgefallen. Ja, es ist offizielle Spring Break Saison! Ich habe mich aber für eine andere Variante der Erholung entschieden: einen Road Trip durch den Mittleren Westen bis nach Philadelphia und zurück. Crazy me...Letzten Freitag (09.03.2007) habe ich mir meinen fast schon europäischen kleinen Chevrolet Aveo mit Kurbelfenster, aber ohne Tempomat, Zentralveriegelung oder CD Player abgeholt um dann am Samstagmittag in diese ur-amerikanische Erfahrung los zu starten.
Vielleicht hatte ich das Ganze ein bisschen idealisiert, denn nach 4 Stunden bis nach Columbus, meiner ersten Station, und zwei Tage später, 9 Stunden bis nach Philadelphia hatte ich dann doch erstmal genug vom Auto fahren. Vor allem weil mein Radio in den Allegheny Mountains für etwa drei Stunden nur die Auswahl zwischen Country und einer christlichen Station zulies. Aber wie sich zeigen sollte, war das alles Teil meiner Entspannungsmission. Meine letzten zwei Wochen in Bloomington vor den Ferien waren milde gesagt die Hölle. Praktikum, Papers, Research, schlafarme Nächte…Es war einfach Zeit eine Weile raus zu kommen und fast planlos herum zu fahren. Ich hatte meine Mapquest-Anweisungen und die Adressen von Andreas in Columbus (Ohio), der mit mir am JFK studiert, und von Santiago in Philly, mein ehemaliger Spanisch-Tandempartner in Berlin, aber ansonsten lag vor mir nichts als der graue weite Asphalt. Na gut, ich hatte meine Architekturprofessorin auch nach Touri-tips gefragt—ich gebs ja zu—aber das wars dann auch wirklich an Vorbereitung.Hier also kurz eine chronologische Zusammenfassung meiner Woche. Das erste Wochenende habe ich mit tanzen gehen, Ausstellung besuchen, Shisha rauchen, gutem Essen und netter deutscher Gesellschaft bei Andreas und seinem Mitbewohner Dirk verbracht. Ab Montagabend bis Donnerstag war ich dann in zu Besuch bei Santiago in Philadelphia. Er hatte leider schon wieder Uni, so dass ich die Stadt auf eigene Faust erkundet habe. Ich habe mir beide Kunstmuseun angeschaut und natürlich jegliche historisch-bedeutungsvollen Gebäude besucht. Am späten Nachmittag haben wir uns dann meist irgendwo getroffen, so dass ich auch noch ein paar Insidereindrücke gewinnen konnte. Eines meiner schönsten Erlebnisse war zum Beispiel der Rittenhouse Park im Stadtzentrum an dem ich meinen Mittwochnachmittag mit lesen, in der Sonne sitzen, und Musik hören verbracht habe. Santiago ist dann später dazu gekommen und wir haben illegalerweise eine Flasche Wein aus brauner Papiertüte getrunken. Fast wie in Berlin, nur ein bisschen aufregender, weil verboten…
Am Donnerstag bin ich dann gegen 14.00Uhr wieder Richtung Heimat gefahren, aber leider auf der Strecke zweimal in den Stau geraten. Gegen 23.00 Uhr war ich dann endlich wieder in Columbus, um für den letzten Teil der Strecke nochmal Energie zu tanken und ein bisschen zu schlafen, denn das ist trotz aller Entspannung ein bisschen kurz gekommen, wenn man bedenkt dass ich vier Tage lange in ner Vierer-Jungs-Wg auf der Couch verbracht habe. Aber nichts destso trotz war diese Woche genau was ich gebraucht habe, denn zumindest konnte ich mit den Meilen auf meiner Anzeige auch meine Problemchen dahin fliegen sehen und mich auf dem Heimweg fast schon ein bißchen auf "zuhause" freuen.

März 13, 2007

Reisebericht: zweiter Teil

Der zweite Teil unserer Reise führte uns in die argentinische Weinregion Mendoza. Mendoza selbst ist eine eigenständige Provinz, mit der gleichnamigen Hauptstadt. Die westliche Grenze der Provinz bilden die Anden. Mendoza Stadt liegt am Fuße dieser Kordillieren und die Sonne verschwindet Abends immer hinter dem beeindruckenden Gebirge. Nach einer-für argentinische Verhältnisse-relativ kurzen Reisezeit von 13 Stunden sind wir mit dem Bus von Buenos Aires aus im Weinmekka angekommen. Die Fahrt selbst war relativ entspannend, da wir einen erstklassigen Schlafbus mit Verpflegung hatten.
Ankunftszeit war gegen neun Uhr morgens, so dass wir noch ein wenig Zeit hatten, uns die Stadt ein wenig anzuschauen. Abends ging es dann in eine der vielen Bodegas in Mendoza. Insgesamt haben wir uns zwei verschiedene Weingüter angeschaut.

Das erste war etwas größer und auch wesentlich kommerzieller, während das zweite ein kleines Familienunternehmen war, welches ausschließlich ins Ausland exportiert. Der Name war „Don Arturo“, falls ja irgendwann einmal jemand diesen Wein suchen sollte. In Argentinien wird vor allem die Malbec angebaut. Das ist eine der unzähligen Traubenarten, wie zum Beispiel auch Cabernet Sauvignon oder Merlot. Diese Traube kommt aus Frankreich und findet hier in dem fast wüstenartigen Boden die perfekten Voraussetzungen um zu einen Spitzenwein zu reifen.

Das Wetter in dieser Region ist einfach einzigartig. Fast jeden Tag scheint hier die Sonne und erzeugt im Sommer Temperaturen von rund 35 Grad Celsius. Dadurch, dass im Westen die Anden stehen und somit die feuchte Luft des Pazifiks aufhalten, ist das Klima sehr trocken und auch sehr angenehm. In Buenos Aires herrschen im Sommer ungefähr die gleichen Temperaturen, doch bei einer durchgehenden Luftfeuchtigkeit von 80-95 %, regnet es fast jeden zweiten oder dritten Tag mitunter ziemlich heftig. In Mendoza regnet es hingegen fast niemals. Abschließend sind wir dann noch in eine Olivenölfabrik gefahren und haben uns angeschaut wie aus den kleinen grünen Früchtchen Öl gepresst wird.

Der nächste Tag sollte uns etwas Entspannung verschaffen. Morgens um neun wurden wir mit einem Transporter abgeholt und in ein direkt in den Anden liegendes Thermalbad gefahren. Dort haben wir uns den halben Tag gesonnt und sind ein wenig durch das Gebirge gelaufen. Mittags hatten wir ein sensationelles Büffet. Es gab ausschließlich mediterranes Essen, welches auf dem Grill zu bereitet worden war. Und natürlich gab es auch Fleisch und zwar soviel, das wir leider irgendwann schweren Herzens aufgeben mussten, da wir ansonsten geplatzt wären. Es gab aller Arten Gemüse von Auberginen, Tomaten, Zucchinis bis zu Süßkartoffeln in verschiedensten Varianten. Der Fleischteil hatte einen eigenen Asador ( Grillmeister) der dann je nach Geschmack die Stücke für einen heraussuchte. Lomo (Steak), Asado (Lenden) und auch , für die die es mögen, Innereien- einfach alles was eine Kuh hergibt, aber alles in einer sensationellen Qualität. Bevor wir, gut gebräunt, satt gegessen und entspannt wieder abgeholt worden sind, haben wir uns noch im Fernsehen angeschaut, wie die Selección den Vizeweltmeister Frankreich besiegt hat. Die nächste Tour fand für uns zwei Tage später statt. Meine Mutter blieb im Hotel, da sie sich nicht besonders wohl fühlte. Mein Vater und ich hingegen sind mit einem Bus zum Caňon del Atuel gefahren.
Die Reise führte uns durch eine wüstenartige Landschaft über San Rafael direkt zum Fluß Atuel. Mit dem Bus sind wir dann auch die schmalen Serpentinen hinab gefahren um so durch den gesamten Canyon zu fahren. Dir beeindruckende Landschaft wechselt mehrfach Farben und Formen und endet in einem riesigen Tal, welches mit dem Wasser des Flusses gefüllt ist. Unsere vier Tage Mendoza waren dann auch leider schon wieder vorbei.
Und bei unserem Glück konnten wir aber auch noche einen der seltenen Regentage in dieser Region erleben. Innerhalb von wenigen Minuten verdunkelte sich der Himmel und es regnete wie auch Schleusen auf uns herab.
Wieder in Buenos Aires angekommen blieben wir den Rest der Reise in der Hauptstadt. Glücklicherweise spielten die Estudiantes auf einem Montag in La Plata, sodass wir auch die Gelegenheit nutzen konnten, um uns ein Fußballspiel anzuschauen.
Nach Stadtouren und unzähligen Kilometern zu Fuß haben wir auch sehr viel von Buenos Aires gesehen, bevor ich meine Eltern wieder zum Flughafen gebracht habe und sie zurück nach Hause gefahren sind.

März 01, 2007

Karneval in....Gualeguaychú


Wie Anja schon erwähnt hat, habe ich eine kleine Schaffenspause eingelegt. Der Hochsommer liegt nun hinter mir und die Stadt ist wieder die Alte. Nach der Meisterfeier ist in La Plata eine gewisse Katerstimmung eingekehrt. Fast alle Studenten sind nach Hause gefahren oder haben Urlaub gemacht. Also hat sich fast komplett Argentinien an den grossen Stränden in Mar del Plata, San Bernardo oder Villa Gesell getroffen. Buenos Aires und La Plata waren indes fast wie ausgestorben.

Doch wie schon erwähnt, der Hochsommer ist vorbei und die Temperaturen normalisieren sich wieder. Meine Eltern haben die Urlaubszeit auch genutzt und haben mich besucht. Es waren zwar nur 2 Wochen, dennoch haben wir einiges gesehen und uns gut erholt. Für alle, die überlegen nach Argentinien zu fliegen um dort Urlaub zu machen: plant auf jeden Fall mehr als 2 Wochen ein. Das Land ist so riesig, sodass man einfach die besten Sachen gar nicht sehen kann, weil man keine Zeit hat. Für meine Eltern habe ich als Reiseleiter eine kleine Tour zusammen gestellt, damit sie und ich auch mal endlich was vom Land sehen können.

Nachdem ich meine Eltern am Flughafen abgeholt hatte, sind wir gleich nach La Plata gefahren und sind für zwei weitere Tage hier geblieben. Nach der Ankunft am nächsten Tag sind wir ein wenig durch die Stadt gelaufen und haben uns abends mit ein Paar Leuten getroffen.

Wie es der Zufall so will, haben meine Mutter und Sandra am gleichen Tag Geburtstag und der fiel genau auf diesen ersten Tag. Ihnen zu Ehren haben wir ein Asado gemacht und so konnten meine Eltern, das erste Mal das so berühmte argentinische Fleisch probieren. Am Samstag sind wir dann mit dem Bus nach Gualeguaychú gefahren.

Das liegt fast genau an der Grenze zu Uruguay und ist die Hauptstadt des argentinischen Karnevals. Da wir noch niemals einen richtigen Karneval erlebt haben, habe ich mir gedacht, dass ich dort hin muss und meine Eltern sind natürlich gerne mitgekommen.

Nach 4 1/2 Stunden Busfahrt sind wir in dem kleinen Städtchen angekommen und noch ein wenig durch die Gegend gelaufen, in eine Therme gegangen und haben etwas gegessen. Abends um 22.00 Uhr ging dann auch der Umzug los.

Insgesamt sind drei verschiedene Karnevalsvereine aufgetreten, die unter sich den Titel ausmachen, wer sich ein Jahr lang Karnevalsmeister nennen darf. Alle unterscheiden sich in ihrer Musik, ihren Kostümen und der ganzen Choreografie.

Alles in Allem ein sehr schönes, farbenfrohes und neuartiges Erlebnis für uns drei preussischen Karnevalsmuffel. Wer den Titel in diesem Jahr gewonnen hat, weiss ich leider nicht.

Um 2 Uhr morgens war der ganze Spass dann leider auch schon wieder vorbei und wir sind wieder nach La Plata gefahren, von wo aus wir am nächsten Tag in die Weinprovinz Mendoza gefahren sind, doch dazu kommt später noch was.

Februar 26, 2007

Ersatz - beziehungsweise Zusatzfreu(n)de

In der Medienbranche gibt es das Sommerloch, in der Anja-und -Matthias-Blogbranche gibt es das Semester(ferien)loch. Ich hab momentan so viel zu tun mit Uni, Praktikum und Alltag, dass ich euch von nichts Außergewöhnlichem berichten kann. Matthias hat Ferien und entspannt und bräunt sich, so dass es auch bei ihm nicht viel Neues gibt (obwohl ich weiß, dass er an einem Beitrag arbeitet...pssstt...).

Deswegen dachte ich mir ich nutze die Gelegenheit, euch einige meiner lieben Ersatzfreunde vorzustellen, damit ihr wisst, dass ihr hier würdig vertreten werdet. Im letzten Semester ist es mit den Freundschaften etwas langsam angelaufen, gerade weil die informelle Spontanität der Amis nicht ganz so mein Fall ist. Wie ihr euch vielleicht erinnert, war ich dann hauptsächlich mit den anderen "Europäern" unterwegs. Nur leider sind die all nur für ein halbes Jahr hier gewesen und somit hatte ich etwas Sorgen, dass die "Suche" wieder von vorn los geht. Nachdem ich hier aber anscheinend doch ein bisschen zu hause bin, hat sich das Problem von alleine erledigt und ich kann mich nicht über einsame Samstagabende vorm TV beschweren (es sei denn ich will es nicht anders).

Vom letzten Semester übrig geblieben sind Katherine (siehe Beitrag zu Smoothie Night im September) und Kirsten (rechts auf dem Foto). Mit Kirsten treffe ich mich regelmäßig zum Kaffee im Soma und dann quatschen wir einfach mal so für ein oder zwei Stunden. Sie geht hoffentlich im Sommer in die Provence, um dort Englisch zu unterrichten.

Im letzten Semester habe ich auch schon ab und zu mal was mit Shanna und Shravan gemacht, doch da Shravan jetzt beim Praktikum mein neuer Arbeitskollege ist, sehen wir uns einfach viel häufiger. Die beiden laden mich immer zu interessanten Veranstaltungen wie zur Neujahrsfeier im tibetanischen Kloster, zum unitarischem Gottesdienst oder indischem Essen ein. Da Shannas Familie auch in Michigan lebt, sind wir schon ein paar Mal zusammen gefahren und konnten uns besser kennen lernen, was aufgrund des begrenzten Zeitraums zu den größten Freundschaftproblemen gehört.

Shanna studiert Political Science (PolScie) und das Department ist bekannt dafür sehr integrativ und aktiv zu sein, so dass wir (die Deutschen) eigentlich bei jeder Party mit eingeladen sind. So habe ich dadurch unter anderem Rebekah, eine andere Freundin (Foto mit neuem Freund Andreas) und James kennen gelernt. Mit Rebekah kann man so richtig Mädchensachen machen: Filme gucken, Eisessen, Coctails trinken. Mit James (Foto links) mache ich erst neuerdings ab und zu mal was. Er ist mitte vierzig und hat schon eine zehn-jährige Tochter, aber er hat immer viel zu erzählen, weil wir beide Kunst- und Literaturfans sind und uns gemeinsam Veranstaltungen anschauen. Es ist außerdem spannend Beziehungs-und Lebensfragen von so unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.

A propos Kunst, mein Kurs in bei der Fine Art hat mir Zugang zu einem weiteren Freundeskreis von Künstlern und Kunstgeschichtlern verschafft. Kate (rechts außen) hat mich nach einem unserer Seminare angesprochen und seit dem essen wir gemeinsam Mittag und gehen freitags immer zu den Austellungseröffnungen. Durch sie habe ich dann die ganzen anderen Grad-Students kennen gelernt und so auch endlich meinen weiblichen Freundeskreis vergrößert, was Freundschaftsprolem Nummer 2 erleichtert.

Zu diesem gehört auch Jennifer (hier mit ihrem ecuadorianischen Verlobten Marcello). Jen macht ein Praktikum im International Center, aber wir sind auch zusammen im Spanisch Conversation Club und beim Tutoring. Wir sind uns sehr ähnlich, was manchmal schon fast gruselig ist, aber sie ist definitiv eine Freundin mit der man lachen und weinen kann.

Wenn ich über Freunde schreibe, kann ich natürlich auch meinen Nachbarn Jim nicht vergessen. Ohne ihn wäre ich hier manchmal ganz schön aufgeschmissen. Er hilft mir einfach immer, egal mit was. Wenn ich Langeweile habe, dann gehe ich einfach rüber und schau mit ihm, Sandy (seinem britischen Mitbewohner), Katze Molly und Hund Casey fern. Unsere Freundschaft ist absolut alltäglich, fast jeden Abend fahren wir zum Beispiel gemeinsam oder zu dritt vom Campus nach hause und so ist immer jemand da, dem man von seinem Tag erzählen kann.

Auf dem ersten Foto oben links seht ihr ein paar der anderen Deutschen die hier sind (Lisa, Sue und Vera) und ein paar andere Bekannte, wie Amanda, die ich erst vor ein paar Wochen kennen gelernt habe. Wir "Germans" treffen uns ab und zu mal zum Kaffee, Bier oder zum Feiern. Es ist echt merkwürdig, wie man sich nach einer Weile so verbunden fühlt, mit Leuten, mit denen man wenig gemeinsam hat. Das Foto ist von meinem Valentinsdinner und zeigt aber auch, dass an diesem Abend genauso viele neue wie alte Bekannte da waren. Das Schöne ist das ich mittlerweile ständig neue nette Leute kennenlernen, aber wie das so ist, passiert das ja immer dann, wenn man nicht mehr damit rechnet.

Februar 02, 2007

2/3 Winterblues

Ein Jahr älter, ein Jahr mehr im Kalender, und draußen ist die Temperaturgrenze von ein Grad Celsius längst unterschritten. Die Euphorie der guten Vorsätze hat nachgelassen und das Semester richtig angefangen. Da wünscht man sich doch wie ein Bär in den Winterschlaf, was in English übrigens hibernation heißt, verfallen zu können, die Decke über den Kopf zu ziehen und erst wieder aus dem Bett zu kriechen, wenn draußen mindesten 10 Grad und Sonnenschein sind.Aber als dann am letzten Sonntag Deutschland die Handballweltmeisterschaft und Indianapolis den Superbowl gewonnen hat, kam auch bei mir langsam das Gefühl eines leisen Optimismus zurück (der allgemeinen Euphorie kann man ja schlecht entgehen), dass vielleicht doch alles möglich ist und ich vielleicht einfach mehr Fan meiner eigenen Mannschaft sein sollte. So höre ich mittlerweile zumindest schon die Vögel singen, wenn ich früh um 7 verschlafen aus meinem Küchenfester schaue, um mich mit Kaffee für meinen mal wieder viel zu langen Tag zu wappnen.

Zum Glück haben auch die Hälfte aller bekannten Murmeltiere am 2. Februar zum Groundhog Day gesagt, dass bald Frühling wird. Wie ich herausgefefunden habe, gibt es etwa zwei Duzend berühmete Murmeltiere, die besonders gut voraus sagen können. Für alle, für die dieser Brauch auch neu ist: Wenn an diesem Tag das Murmeltier aus seiner Höhle kommt und draußen bleibt, wird es bald warm. Wenn es aber r
auskommt und aufgrund von Lichtverhältnissen seinen eigenen Schatten sieht, sich erschrickt und sich wieder versteckt, dann sind mindestens noch 6 Wochen Winter. Berühmte Murmeltiere sind zum Beispiel Punxsutawney Phil in Philadelphia, Balzac Billy, General Beauregard Lee, Jimmy the Groundhog in Wisconsin, Shubenacadie Sam in Neuschottland, Staten Island Chuck und Wiarton Willie in Kanada. Dieses Jahr haben sieben von ihnen voraus gesagt, dass es bald Frühling wird und nur Dunkirk Dave, Jimmy the Groundhog und PeeWee haben sich erschrocken.

Wie schon gesagt, das Semester läuft in vollen Zügen. Ich hab 10 Kredithours (2 Seminare in Amerikanische Architektur und Cultural Studies, ein Independent Studies Kurs für meine Magisterarbeit) und ein 15 Stunden/Woche Praktikum samt PR Kampagnen-Kurs bei Hirons & Company, einer lokalen aber relative angesehen PR- und Kommunikationsagentur.So ziehen die ersten Wochen im neuen Jahr vorüber und ich bin jedesmal erleichtert, wenn es Donnerstagabend ist. An den Wochenende versuche ich mich dann gegen meinen Instinkt nicht ganz unsozial zu verhalten und zumindest ab und zu mal unter Leute zu gehen. Hoffentlich denkt ihr jetzt nicht, dass ich ein trauriges, einsames Leben führe. Nach mindestens 12 Stunden Kommunikation pro Wochentag, hab ich nur momentan ab und zu (wie man so schön sagt) "die Schauze voll" von Menschen und verstehe mich so viel besser mit meiner Decke, Fernbedienung und der tausendsten Wiederholung einer Sex & the City Folge. Auf das bald Frühling wird...!

Januar 31, 2007

Apertura 2006 - El Pincha salió Campeón

Meinen ersten Besuch bei einem Argentinischen Fussballspiel hatte ich ja schon beschrieben. Es war das fantastische 7:0 im "Clásico" gegen den Stadtrivalen Gimnasia. Seitdem bin ich relativ regelmässig zum den Spielen von den Estudiantes gegangen. Und ich habe eine fantastische Spielzeit gesehen...
Das Spiel gegen Gimnasia war schon das vierte in Folge das von der Mannschaft um ihren Kapitän Verón gewonnen wurde und die Estudiantes bliessen zum Angriff auf die Tabellenspitze. Nachdem Godoy Cruz und Nueva Chicago besiegt wurden, kam der grosse "River Plate" nach La Plata. Die Estudiantes siegten auch weiterhin, gegen den damaligen Konkurrenten um den Zweiten Tabellenrang. Bei River standen hochkarätige Namen, wie Ariel Ortega und Marcelo Gallardo auf dem Feld. Doch auch sie konnten nicht die 3:1 Niederlagen bei den Estudiantes verhindern. So konnte ich mich über einen weiteren "Pinchasieg" freuen und auch darüber, die beiden Jungstars Gonzalo Higuaín, der inzwischen bei Real Madrid spielt und Fernando Beluschi, dem der Trainer Pasarella einen derzeitigen Marktwert von dreissig bis vierzig Millionen Euro bescheinigte und der wohl spätestens nächstes Jahr auch nach Europa gehen wird, gesehen zu haben.
Als nächster grosser Klub kam Racing und zog wie schon alle anderen zuvor, im "Estadio Unico" den Kürzeren. Es folgten die letzten beiden Spiele der Apertura 2006, der ersten von den beiden ausgespielten Meisterschaften der Saison 06/07. Boca stand wie schon die ganze Saison über auf dem ersten Rang und konnte bereits am vorletzten Spieltag die Meisterschaft klar machen. Doch sie spürten wohl den heissen Atem der Estudiantes im Nacken und verloren völlig unerwartet gegen Belgrano Cordoba mit 0:1. Die Pinchas hingegen spielten später und wussten von der Niederlage. In der letzten Minute konnten die Argentinos Juniors noch den Ausgleich erzielen und so war die Stimmung natürlich auf dem Tiefpunkt angelangt- die grosse Chance, auf einen Punkt an den Meister heran zukommen war vertan. Beim letzten Spiel kam Arsenal de Sarandí, immerhin vierter in der Tabelle nach La Plata, während Boca zeitgleich zu Hause gegen Lanús spielte. Die Situation war die Gleiche wie schon zuvor. Gewinnt Boca, sind sie Meister, spielen sie Unentschieden, auch. Die Zwischenstände wurden im Stadion nicht durchgegeben, doch Unzählige hatten ihre Radios mit im Stadion um zu hören, wie sich Boca schlägt.



Die Mannschaft kommt ins Stadion

Raunen geht durch die Menge als bekannt wird, dass Boca 1:0 führt. Doch die Pinchas sangen noch lauter und hofften weiterhin auf die Niederlage. "Lanús hat ausgeglichen", mit Ohrenbetäubenden Jubel wurde Lanús schon für dieses Tor gefeiert, während die Estudiantes sich immer noch gegen Arsenal quälten und es zur Halbzeit 0:0 stand. "Goooool, Gooooooool", Lanús führte und von da an war im Estadio Unico die Hölle los. Ecke Veron, Alayes steigt hoch und köpft zur Führung. Nur 5 Minuten später, "El Tanque", der Panzer, Mariano Pavone macht mit dem zweiten Tor alles Klar. Warten...., wie hat Boca gespielt? ...nein, das glaub ich nicht, das kann nicht sein...! Die Estudiantes hatten auf dem letzten Spieltag noch einmal die komplette Meisterschaft auf den Kopf gestellt und mit dem Meister gleichgezogen.



Aus, aus, aus, das Spiel ist aus....

Doch was passiert jetzt? Kein Torverhältnis, kein direkter Vergleich: ein Finalspiel soll den Meister krönen und zwar drei Tage später am Mittwoch. In La Plata, wurden schon einmal die Strasse gesperrt und die ganze Nacht dieses Finale gefeiert.



Nach dem Sieg war die Hölle los

Dienstag musste ich noch zur Uni und meine Noten abholen. Ich wollte mich mit "Puci" dort treffen und danach wollten wir unsere Karten für das Finale holen. Um 7 Uhr Morgens bekomme ich einen Anruf, es ist Puci: "Mati du musst sofort herkommen, zum Stadion, wir haben hier übernachtet und haben gute Plätze, wir bekommen unsere Karten, aber du musst jetzt herkommen, die Polizei sperrt schon die Strassen und du kommst sonst nicht mehr vor zu uns, ausserdem lassen dich die anderen nicht vor, weil sie sonst sauer sind".



Anstehen für die Karten

Also ich, schnell unter die Dusche und ab zum Stadion. Um zehn musste ich mit der Polizei verhandeln, dass ich schnell mal zur Uni muss, damit ich meine und Pucis Noten holen kann. Wiederangekommen (und bestanden) standen wir insgesamt weitere 10 Stunden in der Schlange, ohne dass sich auch nur irgendetwas rührte. In der absoluten Hitze des argentinischen Sommers standen wir und die Stimmung wurde brisant. Nachdem die Leute die Polizei beschimpften, wurde kurzerhand mit Gummigeschossen ca. 50m vor mir für Ruhe gesorgt. Nach 10 Stunden hatte ich meine Karte in der Hand und war glücklich, das Finale in Buenos Aires, im Stadion von Veléz Sarsfield sehen zu können.



Wenn sich schon nichts bewegt, dann kann man ja wenigstens Spass haben. "Vamooooos, Pincharrata,...carajo!

Nachdem ich meine Arbeit in Buenos Aires fertig hatte, fragte ich wie ich zum Stadion kommen könne und fuhr los. Kamera und Rucksack hatte ich schweren Herzens zu Hause gelassen, da ich die Ecke nicht kannte und mir nicht sicher war, wie sicher alles sei. Im Stadtteil Liniers angekommen, traf ich mich mit meinen Pinchafreunden. Das Spiel begann wie die gesamte Saison auch: Boca ging früh in Führung. Martin Palermo erzielte ein Kopfballtor schon in der 4. Spielminute. Doch wie schon die gesamte Spielzeit über kämpften sich die Estudiantes zürück. José Sosa (65.) mit einem Freistoss und Mariano Pavone (80.) drehten das Spiel noch einmal. Nach 90 Minuten: "El Pincha salió Campeón", der Pincha war Meister. Zum ersten Mal seit 23 Jahren. Ganz La Plata tanzte zwei Tage durch und es herrschte der Ausnahmezustand. Am Freitag nach dem ganzen Spektakel setzte ich mich in den Flieger und machte mich auf dem Weg in die USA. Für mich wird das Erlebte einzigartig bleiben. Für die Pinchafreunde hatte ich meinen Anteil an dem Sieg der Meisterschaft. Schliesslich hatten die Estudiantes seit meinem ersten Erscheinen beim 7:0-Jahrhundertklassiker nicht mehr verloren, immerhin 13 Spiele. "Alemán, dir ist schon klar, dass wir dich nicht mehr nach Hause fahren lassen..."

Januar 26, 2007

Fast 4 Minuten Anja-Gefühl

Nachdem sich meine Eltern schon riesen Sorgen gemacht haben, weil sie bei dem Video, das ich gepostet hab, den Ton nicht hatten und nur die Beerdigung mit dem Titel "Fast 4 Minuten Anja-Gefühl" gesehen haben, habe ich mich entschieden doch noch nen kurzen Beitrag zu dem Lied zu schreiben. Das Video ist reiner Zufall und nein, ich habe auch keine Selbstmordgedanken. Ich mag das Lied von Sarah Bettens einfach nur, weil sie darüber singt, wie es mir manchmal geht. Aber wie gesagt, keine Angst. Auf ihrer CD "Scream" gibts auch ne ganze Menge fröhlicher Lieder, zu denen ich auch Bezug habe. "I want you to know I am okay"...

Januar 14, 2007

McDonalds, Tränen und der Abschiedsplan

Die letzten Dinge, an die ich mich von Matthias Besuch erinnere, beinhalten eine 2 Stündige Busfahrt im Nirgendwo-Stadtumland von Chicago, ein Billigmotel, Essen vom Supermarkt und McDonalds, 2 Stunden Schlaf, Tränen und eine fast nicht mögliche Ausreise.
Wir haben am 3. Januar ganze 10 Stunden von mir zu hause bis zum Hotel am Chicagoer Flughafen (oder zumindestens dachte ich das sei in der Nähe) gebraucht. Erst sind wir mit einer Freundin nach Indy, haben dann noch 2 Stunden downtown verbracht, den Megabus genommen und sind gegen 6 in Chicago angekommen. Da ich gedacht hatte, wir machen uns einen netten letzten Abend mit Wein und Käse, haben wir für circa eine weitere Stunde einen guten Supermarkt gesucht. Den, den wir gefunden haben, wollten wir uns nicht leisten (10 Dollar für Käse?), also sind wir für eine weitere halbe Stunde zur nächsten Subway-Station gelaufen, um dann für eine weitere Stunde in der U-Bahn zu sitzen. Von dort aus hatte ich eine Busverbindung herausgesucht, aber es gab wohl zwei Richtungen für die gleiche Busnummer und unser Busfahrer hatte leider keine Ahnung wo wir hinwollten, so dass wir dann an irgendeiner Tankstelle im veregneten, windigen Gewerbegebiet ein Taxi zum Hotel genommen haben. Zum Glück gabs auf der anderen Strassenseite wenigstens noch das vertraute Leuchten des gelben Ms, was den Matthias dann ja auch meistens schon wieder zufrieden stellt. Das Taxi vom Hotel zum Flughafen ist dann um 5.30 abgefahren, so dass jede vergangene Stunde auf dem elektrischen Wecker nur noch mehr zu schlafloser Frustration meinerseits führte. Nicht mal der Rosé aus den Hotelplastebecher konnte mich darüber hinwegtrösten.

Damit aber gar keine Abschiedsstimmung aufkommen konnte, hat der Matthias in Weiser Vorraussicht alle Dokumente bis auf seinen Pass in Argentinien gelassen, so dass die netten Continental-Angestellten am Schalter etwas stutzig wurden, als er weder Uni-Unterlagen, noch Visum oder Ähnliches vorweisen konnte. Die nächste Stunde war dann erstmal mit panischem Rummgerenne (Fax und Telefon auf dem Flughafen um 6 auf dem Flughafen finden und dann bei der Universität in LaPlata, wo gerade Semesterferien sind und die Bürokratie sowieso nicht regiert, anrufen?) ausgefüllt, doch glücklicherweise hat Matthias dann in letzter Minute noch sein Rückflugticket nach Deutschland gefunden, dass als Beweisstück 1A für seine Rückreise aus Argentinien akzeptiert wurde.Kurz vor dem Boardingzeit standen wir dann gerade noch rechtzeitig am Eingang zur Abflughalle. Nicht viel Zeit zum heulen und schon war er durch die Sicherheitskontrolle durch und ich erstmal für 5 Minuten auf der Damentoilette. Ganz schön clever vom Matthias, da wir ja beide keine Freunde des großen Abschieds sind. Hätte nicht gedacht, dass er so geplant sein kann...

Januar 10, 2007

Das Wiedersehen

Nach meinem 12 stündigen Flug bin ich, über die Stationen Buenos Aires und Houston, am 16. Dezember in Chicago angekommen. Am Flughafen wartete dann auch schon die etwas aufgeregte Anja. Aufgeregt war sie, weil alle anderen Passagiere aus Houston schon längst zur Gepäckausgabe gekommen waren und ihre Koffer abgeholt hatten. Nur von Matthias war weit und breit keine Spur. Ich war aus Versehen zum falschen Ausgang heraus gegangen und musste somit erst wieder den richtigen Eingang zu meiner Gepäckausgabe finden. Diesen fand ich auch genau im letzten Moment, bevor Anja dabei war, mich ausrufen zu lassen und mithilfe von Interpol nach mir fahnden zu lassen.
Mit der U-Bahn fuhren wir dann zu der Station an welcher Anja das Hotel vermutete, das sie für uns gebucht hatte. Wer Anja kennt, der kann sich vorstellen, wie sie sich gefühlt haben muss, als wir dieses nicht gleich gefunden hatten. Sie hätte sich ja besser vorbereiten können, antwortete sie, wenn ich zu ihr sagte, dass es mir nichts ausmachen würde mit dem Rucksack durch die Gegend zu laufen. Ich, aus dem argentinischen Sommer mit fast täglichen 30 Grad, kommend, erwartete eigentlich einen strengen Winter in der "windy city". Anja hatte sich von einem Freund aus Bloomington eine Winterjacke für mich ausgeliehen, die ich aber eigentlich nicht wirklich gebraucht hatte, da die Temperaturen so um die 10- 15 Grad lagen.
Nachdem wir das Hotel gefunden hatten, haben wir noch eine kleine Tour durch die Stadt gemacht und noch nach etwas zu Essen gesucht. Vor dem Schlafengehen sind wir noch einmal in den "Signature Room" gefahren, eine Bar im 96. Stock des 6. höchstem, freistehenden Gebäudes der Welt, dem Hancock Observatory.
Nach einem fantastischen Frühstück gingen wir am nächsten Tag noch einmal auf Stadttour. Für den Nachmittag hatten wir Eintrittskarten für ein Spiel der Blackhawks gegen die Colorado Avalanche. Somit ermöglichte mir Anja mein erstes, live-gesehenes NHL-Spiel. Der nächste Tag begann dann weitaus stressiger als die beiden vorigen. Wir mussten mit dem Bus nach Indianapolis fahren. Meiner Arschruhe sei Dank mussten wir an der Station nicht stundenlang warten, wie es für Anja typisch gewesen wäre, sondern kamen im festen Laufschritt genau noch richtig, um den Bus nicht zu verpassen.
Von Indy aus holte uns Anjas Nachbar ab, bei dem man leider nie weiss, ob er sich extra frei nimmt, um Anja den einen oder anderen Gefallen zu tun. Jedenfalls war er in der Zeit in Bloomington für mich und Anja jederzeit zur Stelle, wenn er auch nur irgendetwas für uns beide tun konnte. Eine Stunde später in Bloomington angekommen bemerkten wir schnell, das die Stadt wie ausgestorben war. Die ca. 35.000 Stunden der IU waren alle schon zu Hause bei ihren Eltern um dort die Festtage zu verbringen.
Abends wollten wir mit Jim, dem Nachbarn, und ein paar seiner Freunde noch etwas trinken gehen und mussten erst einmal eine Weile suchen, bis wir eine Bar gefunden hatte, die auch noch zur späteren Stunde geöffnet hatte. Am besten kann man kann man den Kulturschock an den Sportarten nachvollziehen, die von den Leuten verfolgt werden. Somit konnten wir gleich ein Spiel der Indianapolis Colts in der Bar sehen, welches lautstark von den Coltanhängern begleitet wurde. Ein Footballspiel dauert nur leider sehr lange, so dass wir das Ende nicht mehr mitbekommen haben.
Am nächsten Tag sind wir dann, bei herrlichstem Herbstwetter, den menschenleeren Campus der Indiana University entlangspaziert und Anja hat mir alles gezeigt was wichtig und schön ist. Herbstwetter bedeutet nicht nur milde Temperaturen, sondern auch Dauernieselregen den ganzen Tag. Ich denke, dass wir in ganz Indiana die einzigen Menschen waren, die an diesem Tag zu Fuss unterwegs waren.
Am 23. Dezember hiess es dann schon wieder Koffer packen. Vor uns stand eine 13 stündige Busfahrt mit dem berühmt-berüchtigten Greyhound. Wie Anja schon einmal beschrieben hat, ist die Reise mit dem Greyhound eine ur-amerikanischer und sehr einprägsame Erfahrung. Zu Beginn unserer Reise wurde ein netter Mitpassagier von der Reise ausfgeschlossen, weil er seinen Schliessmuskel nicht mehr unter Kontrolle hatte und etwas seiner Körperflüssigkeit verlor (obwohl ich nicht weiss, ob man dabei noch von Flüssigkeit spricht).
In Beaverton angekommen verbrachten wir mit den Bighams, Anjas ehemaliger Gastfamilie, den 24. Dezember auf einer Familienfeier. Am Morgen des 25. Dezember gab es dann die grosse Bescherung. Doch, ich denke, dass ein wenig vom Weihnachtszauber verloren geht, wenn man sich nicht einmal mehr Mühe gibt, auch nur so tun, als ob der Weihnachtsmann die Geschenke am Abend, oder auch in der Nacht bringt, sondern die Geschenke schon mehrere Tage vor der Bescherung im Wohnzimmer herumstehen. Die beiden Kinder, Justin und Jade nutzten natürlich die Gelegenheit, um durch abschätzen der Grösse und des Gewichtes zu erahnen, ob es dieses Mal die gewünschte Stereoanlage oder das Notebook geben würde. Auch für die beiden ausländischen Kinder gab es kleine Geschenke, worüber sich die beiden auch sehr gefreut haben.
Am Nachmittag des 27. machte sich die Reisegruppe Zinke/Adler wieder auf, um nach Bloomington zurück zufahren. Der Greyhound wurde uns erspart, weil Shravan uns angeboten hatte uns mitnehmen zu können. Shravan ist ein Inder der in Indiana lebt und den Anja auf einer Party kennengelernt hatte. Shravan musste seine Verlobte Shana in Michigan zurücklassen, da sie noch bei ihren Eltern blieb, um die bevorstehende Hochzeit zu planen. Zwei Tage später waren wir eingeladen worden, ihm bei herrlichem, selbstgekochten indischen Essen ein wenig Gesellschaft zu leisten.
Am 31. Dezember machten wir uns wieder auf, um, dieses Mal mit einem gemieteten Auto, wieder nach Chicago zu fahren und dort Anjas Geburtstag und Sylvester zu feiern. Wir teilten uns das Auto nach bester Mitfahrzentralmanier mit einem indischen Pärchen, das auch auf dem Weg nach Chicago war. Den Jahreswechsel verbrachten wir in einer schicken Bar, in welcher Leila, eine Freundin von Anja aus High-School-Zeiten, arbeitete. Leila musste dann doch länger als erwartet arbeiten, so dass wir erst weit nach Null Uhr die Bar verlassen konnten und nach einem Ort suchen konnten, wo wir noch ein wenig feiern konnten. Die Bars die wir dann aufsuchten waren aber entweder schon im Inbegriff zu schliessen oder restlos überfüllt. Somit sind wir zu Leila nach Hause gefahren und haben dort zusammen mit ihrem Freund Justin, Fiorella, einer peruanischen Freundin von Leila und ihrer Begleitung noch ein, Zwei Gläser Wein gertrunken, bevor wir dann auch schlafen gegangen sind.
Am nächsten Tag fuhren wir dann wieder mit unseren Indern nach Indiana zurück. Die letzten Tage in Bloomington verbrachten wir mit Eislaufen, Freunde treffen und Ausspannen.
Am 3. Januar fuhren wir wieder mit dem Bus nach Chicago, von wo aus ich am nächsten Morgen meine "Heimreise" nach Buenos Aires antreten sollte.
Im Nachhinein sind die drei Wochen natürlich viel zu schnell vergangen. Festzuhalten bleibt, dass es schön war Anja wieder gesehen zu haben. Auch Chicago war eine schöne Erfahrung. Die Stadt ist sehr vergleichbar mit New York, nur dass sie bei weitem sauberer und viel ruhiger ist. Wenn man einen guten Tag erwischt dann riecht die ganze Innenstadt nach Schokolade, weil direkt in Downtown eine Schokoladenfabrik ihren Sitz hat. Als wir zum Eishockeystadion gelaufen waren, hatten wir so einen Tag erwischt und die ganze Zeit wehte uns eine schokoladige Brise um die Nase. Jetzt sind es nur noch knapp 6 Monate bis Anja zu mir kommt und ich ihr ein wenig Argentinien zeigen kann.

Januar 05, 2007

Happy New Year an alle unsere Lieben!

Wir wollten allen nur ein gutes neues Jahr wünschen, viel Gesundheit, Freude und dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehen. Matthias und ich haben jetzt 3 Wochen zusammen verbracht und heute habe ich ihn früh um 5 am Flughafen in Chicago abgeliefert, weswegen ich viel zu müde bin jetzt mehr zu schreiben. Versprochen ist aber, dass wir uns bald mit neuen Beiträgen und einem Bericht zu unseren Winterferien melden. Wir denken an euch und freuen uns schon bald wieder nach hause zu kommen, denn schließlich fängt jetzt schon die zweite Hälfte an.

Dezember 09, 2006

Viele letzte Male und vielleicht ein kleiner Neuanfang

Der folgende Post wird hoffentlich als Entschuldigung und Erklaerung herhalten, fuer alle die, die sich fragen, was mit mir passiert ist oder warum ich nichts mehr von mir hoeren lasse. Meine letzten zwei-drei Wochen waren ziemlich erlebnisreich und ein bisschen stressig. Ab heute ist naemlich hier das erste Semester zu Ende und am Montag sind meine drei Abschlussarbeiten faellig. Hinzu kommt aber noch, dass momentan staendig irgendwas los ist, weil es eben auf das Ende des Semesters zu geht und ja auch bald Weihnachten ist.
Aber erstmal zum Akademischen: Es ist ein gewoehnungsbeduerftig zwei Hausarbeiten von mindestens 20-30 Seiten parallel zum laufenden Semester zu schreiben, aber das Gute ist, dass man hier schon mehrmals im Semester Drafts und Bibliographien abgeben muss, so dass ich nicht total in Panik ausgebrochen bin, als ich festgestellt habe, dass ich nur noch zwei Wochen habe. Die zwei Papers sind fertig fuer Communication Research und Intro to American Studies und ich muss jetzt nur noch eine final story (heute und morgen) fuer meinen Journalismuskurs schreiben. Ich mache ein Feature ueber die internationalen Studenten, die Weihnachten hier verbringen--sollte also auch ein bisschen Spass machen.
Ansonsten reihen sich gerade Weihnachtsfeiern, Semester-Abschlussparties, Abendessen, und Abschiedsparties fuer die ganzen Europaer, die jetzt nach einem Semester wieder nach hause fahren, aneinander. Ich habe mir gedacht, dass ich einfach mal die Bilder fuer sich sprechen lasse (nur so als kleiner Überblick: 1. Political Science Christmas Party im Ragazzi Art Cafe, Salsa Club in Indianapolis mit Spanish Conversation Club, Weihnalchtslieder singen mit Andreas und Antje, Eve in der Küche beim Vorbereiten eines ihrer fantastischen französischen Dinner, International Brunch im tutto bene).Ich will mich aber ueber den "Stress" ueberhaupt nicht beschweren und freue mich, dass ich ab Montag erstmal drei Wochen frei habe und im Unterschied zu den deutschen Semesterferien ueberhaupt nichts fuer die Uni machen muss. Ich werde uni-unverwandte Buecher lesen, endlich mal mein Haus sauber machen, zum Friseur gehen und mich stundenlang mit Freunden zum Kaffee verabreden. Obwohl momentan ueberall Ende und Weihnachten gefeiert wird, bin ich froh, noch ein halbes Jahr vor mir zu haben. Klar, hab ich manchmal Heimweh, aber die letzten Wochen haben mir das gute Gefuehl gegeben, dass es fuer mich hier jetzt erst richtig anfaengt...