April 26, 2007

Für alle Fashionistas

Vielleicht erinnert sich der oder die eine oder andere von euch noch an einen gewissen Artikel über amerikanische Mode Faux-Pas (Oktober). Wenn ihr den Eintrag wie meine bessere Häfte zum Gähnen fandet, könnt ihr euch ab jetzt wieder anderen spannenden Themen widmen. Glücklicherweise bin ich mit meiner zum Teil etwas zynischen Einstellung zum Durschnitts-Sorrority-Girl-Modegeschmack aber hier nicht allein. Terri Rosenbaum ist Kolumnistin für die Campuszeitung und Sue (eine andere deutsche Austauschstudentin) und ich sind beide so begeistert von ihren Artikeln, dass wir ihr einen Leserbrief geschickt haben und der in der heutigen Ausgabe veröffentlich wird. Hier der Link: http://www.idsnews.com/news/story.aspx?id=42844

April 22, 2007

Die Sonne scheint immer auf die Little 5

Als ich beim letzten Canvas Treffen ganz nervös gefragt habe, was ich denn zur Premierenparty anziehen sollte, weil wir alles für draußen geplant hatten und seit circa zwei Wochen hier bescheidenes Aprilwetter (Regen, immer unter 10 Grad) war, meinte unser Direktor nur zur mir: "The Sun always shines on Little 5" und tatsächlich, schöner hätte das Wochenende nicht sein können. Nicht nur, dass der Wettergott, der seine Sportaffinität schon zur Fußballweltmeisterschaft im letzten Sommer bewiesen hat, Bloomington mit über 20 Grad und durchgängigen Sonnenschein verwöhnt hat, auch die Veranstaltungen an sich waren von Erfolg gekrönt. Außerdem konnte ich am Freitag mein neues 50-Jahre-Stil Cocktailkleid tragen...

Wir hatten über hundert Leute auf der Premierenparty. Die Jazzband war fantastisch und gegen 5 Uhr der Großteil angeheitert. Die Ausgabe, die wir alle an diesem Nachmittag zum ersten Mal in materialisierter Form in den Händen hielten, ist ebenfalls ein voller Erfolg. Ich könnte kaum stolzer sein. Gekrönt wurde das Ganze noch mit dem Besuch des Studenten, der Canvas vor 10 Jahren gegründet hat und überraschend vorbei gekommen ist.

Am Samstag war ich dann auf meinem ersten Fahrradrennen und obwohl ich weder sport-und schon gar nicht fahrradbegeistert bin, war es eine spannendes Erlebnis. Tausende Leute waren im Stadion, mehr als bei Basketball- oder Footballspielen. Das Video der letzten von 500 Runden vermittelt hoffentlich einen Eindruck der Begeisterung. Schon verrückt, dass sich die Leute für 500 Runden im Kreis fahren erwärmen, aber dadurch dass die Teams in Staffeln fahren, lassen die Wechsel, Stürze und taktischen Entscheidungen 2,5 Stunden nicht so lang erscheinen.



Jens Jungesellinnenparty war ebenfalls sehr nett. Der offizielle Teil fand bei ihr zu hause statt, inklusive Spiele, Essen, Vorglühen und Geschenke. Am Abend sind wir dann in die Innenstadt gegangen und haben uns unter das Partyvolk gemischt. Nicht gerade mein Ding, die noch mehr als sonst betrunkenen, kurz berockten, schreienenden Undergrad-Mädels, aber Hauptsache Jen hatte Spaß! Und ich hoffe, dass die Drinks, die ich ihr an der Bar gekauft habt, dabei geholfen haben...

April 20, 2007

Überwältigt

Dieser Eintrag ist für alle die, die sich schon gefragt haben, warum ich schon so lange nicht mehr ausfühlich berichtet habe, was hier so passiert. Ich werde jetzt nicht nur schreiben, dass ich einfach viel zu tun habe, sondern dass ich momentan wohl auch gar nicht sortieren kann, was um mich herum geschieht. Überwältigt, simply overwhelmed, scheint das Wort zu sein, das meine Situation am besten beschreibt.

Vor zwei Wochen war ich in Chicago und eigentlich ist seit dem Endzeitstimmung eingebrochen. Ich hatte meine letzte Woche bei meinem Praktikum bei Hirons, weil ich meinen Chef um die letzten zwei Wochen im Semester gebeten hatte, um mich komplett auf die Uni und auf mein Privatleben konzentrieren zu können. Ich schreibe also momentan volkommen konzentriert an 2 Papers für meine Kurse und habe am Montag in 2 Wochen mein Final in meinem Architekturkurs. In meinem zusätzlichen Independent Studies Kurs mit Prof. Polsgrove in Vorbereitung meiner Magisterarbeit läuft es auch ganz gut. Ich hatte zwischendurch mal die Sorge, dass ich mit dem Thema nicht vorwärts komme, aber nun hat sie mich sogar gebeten anstelle einer normalen 30-Seiten Hausarbeit einen Entwurf für einen Artikel zu schreiben, den ich dann bei einer akademischen Publikation zur Veröffentlichung einreichen werde und die Daumen drücke, dass sie vielleicht interessiert sind. Aber mal abgesehen von meiner erfüllten Zeit in der Bibliothek, kann ich mich auch ansonsten nicht beklagen. Ich verbringe so viel wie möglich Zeit mit meinen Freunden, da uns allen bewusst ist, dass wir dafür nicht mehr viel Zeit haben und ich nicht die Einzige bin für die im Mai ein sogenannter "Lebensabschnitt" zu Ende geht. Und wenn ich momentan in meinen Kalender schaue, ist aufgrund ausgefüllter Tagesplanung in den nächsten zwei Wochen schneller Mai als mir lieb ist.

Dieses Wochenende ist der große Auftakt. Morgen hat Canvas, das Magazin bei dem ich mitarbeite, große Premiere und zehn-jähriges Jubiläum. Darauf haben wir jetzt fast ein Jahr hingearbeitet und natürlich sind die letzten Minuten vor dem großen Ereignis nochmal voll von Panik, letztem Schliff und Aufregung. Danach veranstaltet das International Center eine kleine Semesterabschlussparty für alle freiwiligen Helfer und da ich dann wahrscheinlich schon in Feierlaune bin, gehts gleich weiter. Im Anschluss daran gehts dann zur Freitagstradition in die all-freitagliche Ausstellungseröffnung in den Fine Arts und danach auf ein Gläschen Wein in die Stadt.

Eben diese wird aber diese Wochenende aus allen Nähten platzen, da es das Wochenende der Little 500 ist. Dieses traditionelle Fahrradrennen (am Freitag die Frauen, am Samstag die Männer) ist das wichtigste Ereignis mit langer Geschichte hier in Bloomington. Gäste aus ganz Indiana, Familienmitglieder und Partyfreunde bevölkern also von morgen an die Straßen der idyllischen Kleinstadt. Ich werde am Samstag zum Rennen der Männer gehen. Wer mich kennt, weiß dass ich nicht gerade für Sportereignisse brenne, aber ich denke mal das kann ich mir nicht entgehen lassen. Für alle, die es interessiert: der Film "Breaking Away" wurde hier über dieses Ereignis und dessen Bedeutung gedreht und hat Kultstatus. Am Samstagnachmittag nach dem Rennen werde ich dann auf dem Weg zur Junggesellinenfeier meiner Freundin Jennifer (siehe Chicago Post) sein. Für den öffentlichen Teil gibts Wein und Tee mit den Frauen der Familie, aber am Abend sind wir dann auf uns gestellt und werden uns unter das Little 5 Partyvolk mischen.

Am Sonntag siehts dann ein bisschen ruhiger aus, aber geplant ist auf jeden Fall ins tibetanische Kulturzentrum für das rituelle Singen zu gehen und anschließend dort zu essen. Am nächsten Wochenende geht es dann für einen Kurzausflug nach Louisville, Kentucky, und das folgende Wochenende ist vollgepackt mit Semesterabschlussveranstaltungen. Graduation und ein von mir organisierter Brunch stehen auf dem Plan. In den Wochen zwischendrin werde ich also nur noch meine Papers fertig stellen und lernen, meine Sachen zusammen packen, dann irgendwann die Wohnung ausräumen und mich um alles mögliche Organisatorische kümmern, und meine letzten Tage hier in vollen Zügen genießen. Um mein Gefühl der Überwältigung vielleicht noch besser zu erklären, wird all das auch noch von der Vorfreude auf meine Familie, Matthias, meine Freunde und Berlin überschattet und ist in die Aufregung für meine Reise nach Kalifornien und Argentinien im Mai gewickelt. Ich gelobe aber Besserung und versuche in Zukunft zumindest visuell meine Ereignisse mit euch zu teilen. Ich hoffe ihr seid so aufgeregt und erwartungsvoll wie ich!

April 04, 2007

Und mal wieder Chicago

Was kann man schon sagen, wenn man zu einem Chicago-Wochenende im Appartment im 28. Stock mit Skyline-Ausblick eingeladen wird...jajaja, egal wieviel Arbeit liegen bleibt, weil die letzten 5 Uniwochen anstehen. Und so haben meine Freundin Jen und ich ein wundervolles Wochenende in meiner MOMENTANEN Lieblingsstadt verbracht ohne dass ich auch nur einmal ein Buch angefasst hätte. Die tickende Uhr der letzten Tage führt zum Glück nicht nur dazu, dass ich mehr Unikrams machen muss, sondern dass ich auch jede Möglichkeit für Zeit mit Freunden und Freuden ausnutze.

Wir (Jen links, Anja rechts) haben 6 Stunden im Chicago Art Institute verbracht , waren Tapas essen, am Sonntag ausführlich brunchen, shoppen und natürlich tanzen. Ich dachte mir ich stelle einfach mal ein paar Fotos zusammen um euch einen Eindruck zu vermitteln. Auf dem ersten seht ihr T.J.s Appartment mit Ausblick, auf der rechten Seite unseres Blogs habe ich auch mal eine Linkliste zusammengestellt. So könnt ihr euch zum Beispiel mal den Club Berlin anschauen, den es schon seit 1983 gibt und der dafür bekannt ist ein sehr gemischtes Publikum (will heißen "gay") anzieht. Dort waren wir am Samstag mit meiner Freundin Leila und ihrem Freund Justin tanzen. Endlich mal wieder bis 4 Uhr morgens unterwegs sein, ohne das um 3.00 Uhr die Lichter angeschaltet werden!

März 25, 2007

Politik auf argentinisch

Die Uni hat in La Plata wieder begonnen und mit den ganzen Studenten hat auch die Politik wieder Einzug in den Regierungssitz der Provinz Buenos Aires gehalten. Nach der Sommerpause haben die politischen Geschehnisse sogar allerhand Fahrt aufgenommen. Leider wird in Deutschland nicht allzu viel davon berichtet, deshalb werde ich einmal versuchen "kurz" wiederzugeben, was hier derzeit die Leute beschäftigt.

An diesem Wochenende fand in La Plata ein Marsch anlässlich des 31. Jahrestages des Militärputsches von 1976 statt. Dieser Feiertag wurde in dieem Jahr zum ersten Mal durchgeführt und soll den Opfern der Diktatur gedenken. Auch der immer noch nicht aufgeklärte Fall des Bauarbeiters Jorge Lopéz spielte dabei eine wichtige Rolle. Obwohl sich inzwischen jeder bewuβt ist, dass der Kronzeuge gegen den Polizisten Etchecolatz schon lange verstorben sein wird, fordern die Leute die Regierung um Präsidenten Kirchner auf, endlich für die Aufklärung des Falles zu sorgen. Lopéz ist nun schon seit 6 Monaten verschwunden.
Ein weiteres politisches Highlight fand vergangene Woche in Buenos Aires statt. Der amerikanische Präsident George W. Bush besuchte während seiner Lateinamerika-Tour seine befreundeten Amtskollegen. Argentinien stand ebensowenig auf der Besuchsliste wie Venezuela. Der venezolaner Chavéz startete daraufhin zeitgleich seine ganz persönliche Latino-Tour. Er besuchte ebenfalls seine Freunde und versuchte sich immer möglichst nahe an den Orten aufzuhalten, an denen der Amerikaner weilte. Bush besuchte also unter anderem auch den argentinischen Nachbarn Uruguay in dessen Hauptstadt Montevideo. Buenos Aires liegt am Südufer des Río de la Plata und Montevideo genau gegenüber am Nordufer. Auf Einladung Kirchners reiste Chavéz nach Argentinien, um seinem Lieblingsfeind möglichst nahe sein zu können.

In einer zweistündigen Rede verwies der selbsternannte Ché Guevara-Nachfolger auf seine ehrgeizigen politischen Ziele und sparte dabei nicht mit Selbstlob und hämischen Spott für den Amerikaner. Diesen bezeichnete er als Männchen, dessen politischer Leichnam sich ohnehin schon bald zu Staub auflösen würde.
Abschließend an seine Reise durch Lateinamerika feierte sich Chávez als eindeutiger Toursieger, weil er ja im Gegensatz zu seinem Kollegen nicht mit Massenprotesten, sondern mit Beifallstürmen empfangen worden sei (womit er allerdings auch Recht hat).

Obwohl Kirchner bei dieser Rede in einem Fußballstadion nicht anwesend war, verlor er doch seinen neutralen Status in der diplomatischen Auseinandersetzung zwischen Venezuela und den Vereinigten Staaten. Ob das gut oder schlecht für Argentinien ist, kann ich leider nicht wirklich beurteilen. Mit Chavéz einigte er sich auf jeden Fall auf eine engere Zusammenarbeit. Das wohl interessanteste Projekt ist eine geplante Pipeline von Venezuela über Brasilien nach Argentinien. Dort soll dann das Erdgas veredelt werden und die Ost-Latino-Achse unabhängiger und vor allem auch wirtschaftlich leistungsfähiger machen.
Ein ganz anderes aber nicht minder interessantes Polittheater findet ebenfalls zur Zeit in Buenos Aires statt. Es stehen nämlich Wahlen an. Der Posten des Gouverneurs von Buenos Aires wird neu vergeben und so entbrennt momentan das politische Spektakel.
Der Präsident des Fußballvereines Clúb Atletico Boca Juniors, Mauricio Macri, hat ebenfalls seine Kandidatur bekannt gegeben. Macri, nennt sich selbst rechtsliberal, ist zufällig einer der reichsten Menschen in seinem Land. Hauptberuflich ist er der Chef der Macri-Gruppe. So gehören ihm Autobahnen, Autofabriken und etliche andere mehr oder weniger große Firmen, von den allein die "Sideco" mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr einbringt. Macri ist sehr ehrgeizig und möchte in nicht all zu ferner Zukunft auch Präsident sein. Seine Familie profitierte vor allem vom so genannten Neo-Liberalismus in Argentinien während der 90 Jahre. Der damalige Präsident Menem koppelte unter anderem den Peso an den Dollar. Somit bescherte er seinem Land einen unerwarteten Aufschwung und Reichtum. Da die Wirtschaft diese Koppelung aber nur künstlich, und zwar mit nicht gerade wenigen Schulden im Ausland aufrechterhalten konnte, platzte eine riesiege Seifenblase im Jahr 2001, als sich der Peso von ganz allein wieder auf seinen eigentlichen Wert korrigierte. Die Unterschicht verlor während dieser verheerenden Krise ihr ganzes Hab und Gut- die Mittel- und Oberschicht überstand diesen Crash relativ unbeschadet und die ganz Großen hatten schon im Vorfeld genug von dem Reichtum auf die sichere Seite gebracht und intelligent investiert. Macri besitzt zum Beispiel auch Firmen in China.
Bei der Inflation verlor der Peso fast seinen dreifachen Wert. Der Fußballverein Boca Juniors befand sich ohnehin schon in einer armen Gegend von Buenos Aires. Doch nach der Krise verreckten die Menschen förmlich auf der Straße.
Der gute Herr Macri möchte nun Gouverneur werden und startet seinen Wahlkampf stilsicher auf einer Müllkippe in Villa Lugano, einem der allerärmsten Viertel der Hauptstadt. Im Arm ein kleines Mädchen mit verrotzter Nase haltend sagt er, dass er hier sei um den Leuten zu zeigen, dass es in Buenos Aires nicht überall aussehe wie in den Nobelstraßen Callao und Alvear. Die Müllkippe ist das Zuhause des kleinen Mädchen mit dem T-Shirt I love Argentinien.
Darüberhinaus, darf man nicht vergessen, dass er ja nebenbei noch zufällig den größten Fußballverein in ganz Südamerika leitet. Ein Fußballverein wird in Argentinien zum Einen von der Geschäftsführung geleitet, zum Anderen aber auch von den Barra Bravas. Diese Hooligans organisieren den ganzen nicht wirtschaftlichen Teil des Vereines. Auswärtsfahrten, Mitgliederakquise, und alles was noch anfällt und eben auch erledigt werden muss.
(Ein kleines Filmchen über die "Arbeit" von Rafa Di Zeo. Boca spielt gegen River im Monumental, dem Stadion von River, leider nur in Spanisch.)

Die Chefs der Barras sind somit fast ebendso mächtig wie der Präsident selbst, da die Massen ihm Folgen. Und: ohne die Barras kann sich kein Präsident an der Spitze eines Vereines halten. Also gibt es immer wieder kleine Geschäfte zwischen "oben" und "unten". Der Präsident von Gimnasia de La Plata hat zum Beispiel einmal seinen Barras eine kleine Bäckerei gekauft, samt Maschinen und Immobilie. Warum weiß keiner, aber denken können sich es alle. Bei River durften sich die Barras sogar ihre WM-Tickets direkt aus der Geschäftsstelle abholen. In ganz Europa arbeitete die Polizei mit den Vereinen zusammen, um die Ausreise der Hooligans zu verhindern- hier hingegen wurde wahrscheinlich noch ein kleines Schleifchen um die Eintrittskarten gebunden. Der Chef der Barras von Boca, der "12", heisst Rafa Di Zeo und ist ein heimlicher Star, gibt Interviews und wird von Paparazzi verfolgt.

Nur leider sucht gerade Interpol nach dem guten Rafa, unter anderem wegen schwerer Körperverlezung und auch wegen eines Todesfalles eines Barras von River. Macri ließ verlauten, dass Di Zeo unter diesen Umständen kein Mitgleid mehr seines Vereines sein könne. Doch noch am gleichen Tag machte der schmale Her mit dem spitzen Schnurbart eine ganze Rolle rückwärts und sagte, dass er wohl doch "Socio" bleiben würde.
Da fragt man sich zurecht, was oder vor allem wer ihn denn innerhalb so kurzer Zeit zum Umdenken gebracht hat. Auch die politische Opposition stellt die Machenschaften des Spitzenkandidaten der Partei "PRO" stark in Frage. Ungeachtet aller Spekulationen ist Macri weiterhin Favorit auf den Posten.
Ironischerweise ist der derzeitige Bildungsminister Daniel Filmus der wohl größte Konkurrent des Wirtschaftsgiganten. Bunter kann Politik nicht sein. Macri ist clever und hat schon vorgesorgt- mit einem Geschenk. Er kaufte mal eben einen der besten Fußballer der Welt ein, damit dieser für ganze vier Monate in seinemVerein spielen kann. Mit Juan Román Riquelme kaufte er DAS Idol ein. Für die Fans von Boca ist "Romi" einer von ihnen- von ganz unten gekommen und nun ein Superstar. Ein geschickter Schachzug, wenn man bedenkt, dass ungefähr ein Drittel aller Argentinier Anhänger von Boca sind. Die Frage, ob die Mischung aus Korruption, Fußball und Effekthascherei den etwas blassen Filmus besiegen, der für Werte wie Kultur, Bildung und Moral steht. Wie schon gesagt besser kann ein Wahlkampf eigentlich nicht sein, Spannung ist garantiert.

März 20, 2007

Nur der Asphalt und ich

Vielleicht sind dem oder der einen oder anderen von euch in den letzten Wochen beim MTV schauen leicht bekleidete tanzende College-Studentinnen, sonnenverbrandte betrunkene Jungs und Wet-T-Shirt Contests am Pool aufgefallen. Ja, es ist offizielle Spring Break Saison! Ich habe mich aber für eine andere Variante der Erholung entschieden: einen Road Trip durch den Mittleren Westen bis nach Philadelphia und zurück. Crazy me...Letzten Freitag (09.03.2007) habe ich mir meinen fast schon europäischen kleinen Chevrolet Aveo mit Kurbelfenster, aber ohne Tempomat, Zentralveriegelung oder CD Player abgeholt um dann am Samstagmittag in diese ur-amerikanische Erfahrung los zu starten.
Vielleicht hatte ich das Ganze ein bisschen idealisiert, denn nach 4 Stunden bis nach Columbus, meiner ersten Station, und zwei Tage später, 9 Stunden bis nach Philadelphia hatte ich dann doch erstmal genug vom Auto fahren. Vor allem weil mein Radio in den Allegheny Mountains für etwa drei Stunden nur die Auswahl zwischen Country und einer christlichen Station zulies. Aber wie sich zeigen sollte, war das alles Teil meiner Entspannungsmission. Meine letzten zwei Wochen in Bloomington vor den Ferien waren milde gesagt die Hölle. Praktikum, Papers, Research, schlafarme Nächte…Es war einfach Zeit eine Weile raus zu kommen und fast planlos herum zu fahren. Ich hatte meine Mapquest-Anweisungen und die Adressen von Andreas in Columbus (Ohio), der mit mir am JFK studiert, und von Santiago in Philly, mein ehemaliger Spanisch-Tandempartner in Berlin, aber ansonsten lag vor mir nichts als der graue weite Asphalt. Na gut, ich hatte meine Architekturprofessorin auch nach Touri-tips gefragt—ich gebs ja zu—aber das wars dann auch wirklich an Vorbereitung.Hier also kurz eine chronologische Zusammenfassung meiner Woche. Das erste Wochenende habe ich mit tanzen gehen, Ausstellung besuchen, Shisha rauchen, gutem Essen und netter deutscher Gesellschaft bei Andreas und seinem Mitbewohner Dirk verbracht. Ab Montagabend bis Donnerstag war ich dann in zu Besuch bei Santiago in Philadelphia. Er hatte leider schon wieder Uni, so dass ich die Stadt auf eigene Faust erkundet habe. Ich habe mir beide Kunstmuseun angeschaut und natürlich jegliche historisch-bedeutungsvollen Gebäude besucht. Am späten Nachmittag haben wir uns dann meist irgendwo getroffen, so dass ich auch noch ein paar Insidereindrücke gewinnen konnte. Eines meiner schönsten Erlebnisse war zum Beispiel der Rittenhouse Park im Stadtzentrum an dem ich meinen Mittwochnachmittag mit lesen, in der Sonne sitzen, und Musik hören verbracht habe. Santiago ist dann später dazu gekommen und wir haben illegalerweise eine Flasche Wein aus brauner Papiertüte getrunken. Fast wie in Berlin, nur ein bisschen aufregender, weil verboten…
Am Donnerstag bin ich dann gegen 14.00Uhr wieder Richtung Heimat gefahren, aber leider auf der Strecke zweimal in den Stau geraten. Gegen 23.00 Uhr war ich dann endlich wieder in Columbus, um für den letzten Teil der Strecke nochmal Energie zu tanken und ein bisschen zu schlafen, denn das ist trotz aller Entspannung ein bisschen kurz gekommen, wenn man bedenkt dass ich vier Tage lange in ner Vierer-Jungs-Wg auf der Couch verbracht habe. Aber nichts destso trotz war diese Woche genau was ich gebraucht habe, denn zumindest konnte ich mit den Meilen auf meiner Anzeige auch meine Problemchen dahin fliegen sehen und mich auf dem Heimweg fast schon ein bißchen auf "zuhause" freuen.

März 13, 2007

Reisebericht: zweiter Teil

Der zweite Teil unserer Reise führte uns in die argentinische Weinregion Mendoza. Mendoza selbst ist eine eigenständige Provinz, mit der gleichnamigen Hauptstadt. Die westliche Grenze der Provinz bilden die Anden. Mendoza Stadt liegt am Fuße dieser Kordillieren und die Sonne verschwindet Abends immer hinter dem beeindruckenden Gebirge. Nach einer-für argentinische Verhältnisse-relativ kurzen Reisezeit von 13 Stunden sind wir mit dem Bus von Buenos Aires aus im Weinmekka angekommen. Die Fahrt selbst war relativ entspannend, da wir einen erstklassigen Schlafbus mit Verpflegung hatten.
Ankunftszeit war gegen neun Uhr morgens, so dass wir noch ein wenig Zeit hatten, uns die Stadt ein wenig anzuschauen. Abends ging es dann in eine der vielen Bodegas in Mendoza. Insgesamt haben wir uns zwei verschiedene Weingüter angeschaut.

Das erste war etwas größer und auch wesentlich kommerzieller, während das zweite ein kleines Familienunternehmen war, welches ausschließlich ins Ausland exportiert. Der Name war „Don Arturo“, falls ja irgendwann einmal jemand diesen Wein suchen sollte. In Argentinien wird vor allem die Malbec angebaut. Das ist eine der unzähligen Traubenarten, wie zum Beispiel auch Cabernet Sauvignon oder Merlot. Diese Traube kommt aus Frankreich und findet hier in dem fast wüstenartigen Boden die perfekten Voraussetzungen um zu einen Spitzenwein zu reifen.

Das Wetter in dieser Region ist einfach einzigartig. Fast jeden Tag scheint hier die Sonne und erzeugt im Sommer Temperaturen von rund 35 Grad Celsius. Dadurch, dass im Westen die Anden stehen und somit die feuchte Luft des Pazifiks aufhalten, ist das Klima sehr trocken und auch sehr angenehm. In Buenos Aires herrschen im Sommer ungefähr die gleichen Temperaturen, doch bei einer durchgehenden Luftfeuchtigkeit von 80-95 %, regnet es fast jeden zweiten oder dritten Tag mitunter ziemlich heftig. In Mendoza regnet es hingegen fast niemals. Abschließend sind wir dann noch in eine Olivenölfabrik gefahren und haben uns angeschaut wie aus den kleinen grünen Früchtchen Öl gepresst wird.

Der nächste Tag sollte uns etwas Entspannung verschaffen. Morgens um neun wurden wir mit einem Transporter abgeholt und in ein direkt in den Anden liegendes Thermalbad gefahren. Dort haben wir uns den halben Tag gesonnt und sind ein wenig durch das Gebirge gelaufen. Mittags hatten wir ein sensationelles Büffet. Es gab ausschließlich mediterranes Essen, welches auf dem Grill zu bereitet worden war. Und natürlich gab es auch Fleisch und zwar soviel, das wir leider irgendwann schweren Herzens aufgeben mussten, da wir ansonsten geplatzt wären. Es gab aller Arten Gemüse von Auberginen, Tomaten, Zucchinis bis zu Süßkartoffeln in verschiedensten Varianten. Der Fleischteil hatte einen eigenen Asador ( Grillmeister) der dann je nach Geschmack die Stücke für einen heraussuchte. Lomo (Steak), Asado (Lenden) und auch , für die die es mögen, Innereien- einfach alles was eine Kuh hergibt, aber alles in einer sensationellen Qualität. Bevor wir, gut gebräunt, satt gegessen und entspannt wieder abgeholt worden sind, haben wir uns noch im Fernsehen angeschaut, wie die Selección den Vizeweltmeister Frankreich besiegt hat. Die nächste Tour fand für uns zwei Tage später statt. Meine Mutter blieb im Hotel, da sie sich nicht besonders wohl fühlte. Mein Vater und ich hingegen sind mit einem Bus zum Caňon del Atuel gefahren.
Die Reise führte uns durch eine wüstenartige Landschaft über San Rafael direkt zum Fluß Atuel. Mit dem Bus sind wir dann auch die schmalen Serpentinen hinab gefahren um so durch den gesamten Canyon zu fahren. Dir beeindruckende Landschaft wechselt mehrfach Farben und Formen und endet in einem riesigen Tal, welches mit dem Wasser des Flusses gefüllt ist. Unsere vier Tage Mendoza waren dann auch leider schon wieder vorbei.
Und bei unserem Glück konnten wir aber auch noche einen der seltenen Regentage in dieser Region erleben. Innerhalb von wenigen Minuten verdunkelte sich der Himmel und es regnete wie auch Schleusen auf uns herab.
Wieder in Buenos Aires angekommen blieben wir den Rest der Reise in der Hauptstadt. Glücklicherweise spielten die Estudiantes auf einem Montag in La Plata, sodass wir auch die Gelegenheit nutzen konnten, um uns ein Fußballspiel anzuschauen.
Nach Stadtouren und unzähligen Kilometern zu Fuß haben wir auch sehr viel von Buenos Aires gesehen, bevor ich meine Eltern wieder zum Flughafen gebracht habe und sie zurück nach Hause gefahren sind.

März 01, 2007

Karneval in....Gualeguaychú


Wie Anja schon erwähnt hat, habe ich eine kleine Schaffenspause eingelegt. Der Hochsommer liegt nun hinter mir und die Stadt ist wieder die Alte. Nach der Meisterfeier ist in La Plata eine gewisse Katerstimmung eingekehrt. Fast alle Studenten sind nach Hause gefahren oder haben Urlaub gemacht. Also hat sich fast komplett Argentinien an den grossen Stränden in Mar del Plata, San Bernardo oder Villa Gesell getroffen. Buenos Aires und La Plata waren indes fast wie ausgestorben.

Doch wie schon erwähnt, der Hochsommer ist vorbei und die Temperaturen normalisieren sich wieder. Meine Eltern haben die Urlaubszeit auch genutzt und haben mich besucht. Es waren zwar nur 2 Wochen, dennoch haben wir einiges gesehen und uns gut erholt. Für alle, die überlegen nach Argentinien zu fliegen um dort Urlaub zu machen: plant auf jeden Fall mehr als 2 Wochen ein. Das Land ist so riesig, sodass man einfach die besten Sachen gar nicht sehen kann, weil man keine Zeit hat. Für meine Eltern habe ich als Reiseleiter eine kleine Tour zusammen gestellt, damit sie und ich auch mal endlich was vom Land sehen können.

Nachdem ich meine Eltern am Flughafen abgeholt hatte, sind wir gleich nach La Plata gefahren und sind für zwei weitere Tage hier geblieben. Nach der Ankunft am nächsten Tag sind wir ein wenig durch die Stadt gelaufen und haben uns abends mit ein Paar Leuten getroffen.

Wie es der Zufall so will, haben meine Mutter und Sandra am gleichen Tag Geburtstag und der fiel genau auf diesen ersten Tag. Ihnen zu Ehren haben wir ein Asado gemacht und so konnten meine Eltern, das erste Mal das so berühmte argentinische Fleisch probieren. Am Samstag sind wir dann mit dem Bus nach Gualeguaychú gefahren.

Das liegt fast genau an der Grenze zu Uruguay und ist die Hauptstadt des argentinischen Karnevals. Da wir noch niemals einen richtigen Karneval erlebt haben, habe ich mir gedacht, dass ich dort hin muss und meine Eltern sind natürlich gerne mitgekommen.

Nach 4 1/2 Stunden Busfahrt sind wir in dem kleinen Städtchen angekommen und noch ein wenig durch die Gegend gelaufen, in eine Therme gegangen und haben etwas gegessen. Abends um 22.00 Uhr ging dann auch der Umzug los.

Insgesamt sind drei verschiedene Karnevalsvereine aufgetreten, die unter sich den Titel ausmachen, wer sich ein Jahr lang Karnevalsmeister nennen darf. Alle unterscheiden sich in ihrer Musik, ihren Kostümen und der ganzen Choreografie.

Alles in Allem ein sehr schönes, farbenfrohes und neuartiges Erlebnis für uns drei preussischen Karnevalsmuffel. Wer den Titel in diesem Jahr gewonnen hat, weiss ich leider nicht.

Um 2 Uhr morgens war der ganze Spass dann leider auch schon wieder vorbei und wir sind wieder nach La Plata gefahren, von wo aus wir am nächsten Tag in die Weinprovinz Mendoza gefahren sind, doch dazu kommt später noch was.

Februar 26, 2007

Ersatz - beziehungsweise Zusatzfreu(n)de

In der Medienbranche gibt es das Sommerloch, in der Anja-und -Matthias-Blogbranche gibt es das Semester(ferien)loch. Ich hab momentan so viel zu tun mit Uni, Praktikum und Alltag, dass ich euch von nichts Außergewöhnlichem berichten kann. Matthias hat Ferien und entspannt und bräunt sich, so dass es auch bei ihm nicht viel Neues gibt (obwohl ich weiß, dass er an einem Beitrag arbeitet...pssstt...).

Deswegen dachte ich mir ich nutze die Gelegenheit, euch einige meiner lieben Ersatzfreunde vorzustellen, damit ihr wisst, dass ihr hier würdig vertreten werdet. Im letzten Semester ist es mit den Freundschaften etwas langsam angelaufen, gerade weil die informelle Spontanität der Amis nicht ganz so mein Fall ist. Wie ihr euch vielleicht erinnert, war ich dann hauptsächlich mit den anderen "Europäern" unterwegs. Nur leider sind die all nur für ein halbes Jahr hier gewesen und somit hatte ich etwas Sorgen, dass die "Suche" wieder von vorn los geht. Nachdem ich hier aber anscheinend doch ein bisschen zu hause bin, hat sich das Problem von alleine erledigt und ich kann mich nicht über einsame Samstagabende vorm TV beschweren (es sei denn ich will es nicht anders).

Vom letzten Semester übrig geblieben sind Katherine (siehe Beitrag zu Smoothie Night im September) und Kirsten (rechts auf dem Foto). Mit Kirsten treffe ich mich regelmäßig zum Kaffee im Soma und dann quatschen wir einfach mal so für ein oder zwei Stunden. Sie geht hoffentlich im Sommer in die Provence, um dort Englisch zu unterrichten.

Im letzten Semester habe ich auch schon ab und zu mal was mit Shanna und Shravan gemacht, doch da Shravan jetzt beim Praktikum mein neuer Arbeitskollege ist, sehen wir uns einfach viel häufiger. Die beiden laden mich immer zu interessanten Veranstaltungen wie zur Neujahrsfeier im tibetanischen Kloster, zum unitarischem Gottesdienst oder indischem Essen ein. Da Shannas Familie auch in Michigan lebt, sind wir schon ein paar Mal zusammen gefahren und konnten uns besser kennen lernen, was aufgrund des begrenzten Zeitraums zu den größten Freundschaftproblemen gehört.

Shanna studiert Political Science (PolScie) und das Department ist bekannt dafür sehr integrativ und aktiv zu sein, so dass wir (die Deutschen) eigentlich bei jeder Party mit eingeladen sind. So habe ich dadurch unter anderem Rebekah, eine andere Freundin (Foto mit neuem Freund Andreas) und James kennen gelernt. Mit Rebekah kann man so richtig Mädchensachen machen: Filme gucken, Eisessen, Coctails trinken. Mit James (Foto links) mache ich erst neuerdings ab und zu mal was. Er ist mitte vierzig und hat schon eine zehn-jährige Tochter, aber er hat immer viel zu erzählen, weil wir beide Kunst- und Literaturfans sind und uns gemeinsam Veranstaltungen anschauen. Es ist außerdem spannend Beziehungs-und Lebensfragen von so unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.

A propos Kunst, mein Kurs in bei der Fine Art hat mir Zugang zu einem weiteren Freundeskreis von Künstlern und Kunstgeschichtlern verschafft. Kate (rechts außen) hat mich nach einem unserer Seminare angesprochen und seit dem essen wir gemeinsam Mittag und gehen freitags immer zu den Austellungseröffnungen. Durch sie habe ich dann die ganzen anderen Grad-Students kennen gelernt und so auch endlich meinen weiblichen Freundeskreis vergrößert, was Freundschaftsprolem Nummer 2 erleichtert.

Zu diesem gehört auch Jennifer (hier mit ihrem ecuadorianischen Verlobten Marcello). Jen macht ein Praktikum im International Center, aber wir sind auch zusammen im Spanisch Conversation Club und beim Tutoring. Wir sind uns sehr ähnlich, was manchmal schon fast gruselig ist, aber sie ist definitiv eine Freundin mit der man lachen und weinen kann.

Wenn ich über Freunde schreibe, kann ich natürlich auch meinen Nachbarn Jim nicht vergessen. Ohne ihn wäre ich hier manchmal ganz schön aufgeschmissen. Er hilft mir einfach immer, egal mit was. Wenn ich Langeweile habe, dann gehe ich einfach rüber und schau mit ihm, Sandy (seinem britischen Mitbewohner), Katze Molly und Hund Casey fern. Unsere Freundschaft ist absolut alltäglich, fast jeden Abend fahren wir zum Beispiel gemeinsam oder zu dritt vom Campus nach hause und so ist immer jemand da, dem man von seinem Tag erzählen kann.

Auf dem ersten Foto oben links seht ihr ein paar der anderen Deutschen die hier sind (Lisa, Sue und Vera) und ein paar andere Bekannte, wie Amanda, die ich erst vor ein paar Wochen kennen gelernt habe. Wir "Germans" treffen uns ab und zu mal zum Kaffee, Bier oder zum Feiern. Es ist echt merkwürdig, wie man sich nach einer Weile so verbunden fühlt, mit Leuten, mit denen man wenig gemeinsam hat. Das Foto ist von meinem Valentinsdinner und zeigt aber auch, dass an diesem Abend genauso viele neue wie alte Bekannte da waren. Das Schöne ist das ich mittlerweile ständig neue nette Leute kennenlernen, aber wie das so ist, passiert das ja immer dann, wenn man nicht mehr damit rechnet.

Februar 02, 2007

2/3 Winterblues

Ein Jahr älter, ein Jahr mehr im Kalender, und draußen ist die Temperaturgrenze von ein Grad Celsius längst unterschritten. Die Euphorie der guten Vorsätze hat nachgelassen und das Semester richtig angefangen. Da wünscht man sich doch wie ein Bär in den Winterschlaf, was in English übrigens hibernation heißt, verfallen zu können, die Decke über den Kopf zu ziehen und erst wieder aus dem Bett zu kriechen, wenn draußen mindesten 10 Grad und Sonnenschein sind.Aber als dann am letzten Sonntag Deutschland die Handballweltmeisterschaft und Indianapolis den Superbowl gewonnen hat, kam auch bei mir langsam das Gefühl eines leisen Optimismus zurück (der allgemeinen Euphorie kann man ja schlecht entgehen), dass vielleicht doch alles möglich ist und ich vielleicht einfach mehr Fan meiner eigenen Mannschaft sein sollte. So höre ich mittlerweile zumindest schon die Vögel singen, wenn ich früh um 7 verschlafen aus meinem Küchenfester schaue, um mich mit Kaffee für meinen mal wieder viel zu langen Tag zu wappnen.

Zum Glück haben auch die Hälfte aller bekannten Murmeltiere am 2. Februar zum Groundhog Day gesagt, dass bald Frühling wird. Wie ich herausgefefunden habe, gibt es etwa zwei Duzend berühmete Murmeltiere, die besonders gut voraus sagen können. Für alle, für die dieser Brauch auch neu ist: Wenn an diesem Tag das Murmeltier aus seiner Höhle kommt und draußen bleibt, wird es bald warm. Wenn es aber r
auskommt und aufgrund von Lichtverhältnissen seinen eigenen Schatten sieht, sich erschrickt und sich wieder versteckt, dann sind mindestens noch 6 Wochen Winter. Berühmte Murmeltiere sind zum Beispiel Punxsutawney Phil in Philadelphia, Balzac Billy, General Beauregard Lee, Jimmy the Groundhog in Wisconsin, Shubenacadie Sam in Neuschottland, Staten Island Chuck und Wiarton Willie in Kanada. Dieses Jahr haben sieben von ihnen voraus gesagt, dass es bald Frühling wird und nur Dunkirk Dave, Jimmy the Groundhog und PeeWee haben sich erschrocken.

Wie schon gesagt, das Semester läuft in vollen Zügen. Ich hab 10 Kredithours (2 Seminare in Amerikanische Architektur und Cultural Studies, ein Independent Studies Kurs für meine Magisterarbeit) und ein 15 Stunden/Woche Praktikum samt PR Kampagnen-Kurs bei Hirons & Company, einer lokalen aber relative angesehen PR- und Kommunikationsagentur.So ziehen die ersten Wochen im neuen Jahr vorüber und ich bin jedesmal erleichtert, wenn es Donnerstagabend ist. An den Wochenende versuche ich mich dann gegen meinen Instinkt nicht ganz unsozial zu verhalten und zumindest ab und zu mal unter Leute zu gehen. Hoffentlich denkt ihr jetzt nicht, dass ich ein trauriges, einsames Leben führe. Nach mindestens 12 Stunden Kommunikation pro Wochentag, hab ich nur momentan ab und zu (wie man so schön sagt) "die Schauze voll" von Menschen und verstehe mich so viel besser mit meiner Decke, Fernbedienung und der tausendsten Wiederholung einer Sex & the City Folge. Auf das bald Frühling wird...!